100 Jahre SPD Ahrensburg

Politik der Anstöße
  

Aus der Vielzahl der Themen und Initiativen der Ahrensburger Sozialdemokraten seien nur einige erwähnt. Unter dem Vorsitzenden Eckart Kuhlwein startet der Ortsverein mit anderen im Land die "Aktion kleine Klasse". Die Ahrensburger haben dabei eine Aktion aus Wilhelmshaven aufgegriffen und in einer intensiven Kampagne fünfhundert Unterschriften gesammelt. In einem Flugblatt stellen sie dar, dass beispielsweise in der Schlossschule über vierzig Kinder in einer Klasse unterrichtet werden müssen.

Ein neu eingerichteter kommunalpolitischer Arbeitskreis, den später Christian Kröning leitet, verstärkt die kommunalpolitischen Diskussionen im Ortsverein und bezieht auch Nichtmitglieder in die Diskussion ein. Dort werden die Planungen der Spange über die Bahn, die Südumgehung, die Hallenbad- und Freizeithausplanung kritisch auseinandergenommen.

Die ökologische Bewegung hält Einzug in die Thematik der Kommunalpolitik und behält ihre Bedeutung bis heute. Die Bewegung gegen die Atomkraftwerke schlägt sich in der überörtlichen Diskussion nieder, und Ende der siebziger Jahre führt sie zu Anträgen gegen den Bau der Atomkraftwerke in Krümmel und Brokdorf auf Kreis- und Landesparteitagen, nachhaltig unterstützt durch den Ahrensburger Ortsverein. In der Folge setzen Ahrensburger Sozialdemokraten sich für einen Kommunalpolitischen Beitrag zum "Energiesparen" ein. Sie erreichen die energetische Verwertung des Biogases im Klärwerk durch ein Block-Heiz-Kraftwerk inzwischen gibt es zusätzlich drei Nahwärmeinseln in Ahrensburg, die energiesparend betrieben werden.

Der Natodoppelbeschluß - die Hochrüstung mit Atomraketen in Europa führt im Ahrensburger Ortsverein zu einer mehrheitlichen Opposition gegen die sozialdemokratischen Bundesregierung und gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Die Basis hatte bis dahin die Außenpolitik bei der Parteispitze in guten Händen vermutet. Nun werden auch in Ahrensburg die internationalen Rüstungskonsequenzen hart diskutiert. Viele Sozialdemokraten engagieren sich in der Friedensinitiative. Der Ahrensburger Istvan Szepesi wird schleswig-holsteinischer Delegierter zu dem Bundesparteitag 1982, um aus seiner Kompetenz die friedenspolitische Position des Landesverbandes zu verstärken.

Mitte der achtziger Jahre setzen sich Sozialdemokraten für den Erhalt des alten Speichers und den Marstall ein und initiieren den "Förderverein Marstall". Dort ist inzwischen ein über Ahrensburg bekanntes Kulturzentrum entstanden.

Bei der Kommunalwahl 1982 erhalten die Sozialdemokraten 11 von 31 Sitzen, 1986 steigern sie sich auf zwölf Mandate, und 1990 werden sie mit 12 Mandaten stärkste Fraktion und stellen nach langer Zeit mit Helma Schuhmacher wieder die Bürgervorsteherin. Bei der Kommunalwahl 1998 werden 14 Frauen und Männer für die SPD in die Stadtverordnetenversammlung gewählt und im gleichen Jahr folgt Thomas Sauer aus Großhansdorf in der Kandidatur Eckart Kuhlwein für den Bundestag und gewinnt den Wahlkreis - ebenso wie bei der Wahl 2002 massiv gestützt durch die Stimmen aus Ahrensburg.

Als Nachfolger von Rudolf Herbers aus Großhansdorf wird Konrad Nabel 1983 zum sozialdemokratischen Landtagskandidaten in dem Wahlkreis, zu dem Ahrensburg gehört, gewählt. Aber erst bei der durch die Barschel-Affäre notwendig gewordenen Neuwahl des Landtages am 8. Mai 1988 gewinnt er den Wahlkreis direkt und wiederholt diesen Erfolg bei der Landtagswahl 1992. Bis heute vertritt der aktuelle Ortsvereinsvorsitzende von Ahrensburg diesen Wahlkreis im Landtag.

Durch die Partnerschaft zu der Stadt Esplugues de Llobregat im spanischen Katalonien bestehen freundschaftliche Beziehungen zu den Genossinnen und Genossen der Partida Socialista Catalan.

Die geschilderten Ereignisse um die Ahrensburger Sozialdemokraten aus den letzten dreißig Jahren sind subjektiv und zufällig in der Auswahl. Die Aufzählung kann nicht die Kriterien einer zeitgeschichtlichen Dokumentation erfüllen. Sie sind, wegen der noch sehr lückenhaften Dokumentenlage bestenfalls ein verbindendes Gerüst zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

  Udo Weber, Ahrensburg, Januar 2003