Ahrensburgs Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten

 Nachruf

Zum Gedenken an Hubert Mennicken
  

Ahrensburgs Sozialdemokraten und ihre Freunde trauern: Am 18. Juli starb unser kommunalpolitisches „Urgestein" Hubert Mennicken. Am 1.9.2000 wäre er 91 Jahre alt geworden.

Den Kaufmannssohn aus Köln, im 1. Weltkrieg in Hamburg groß geworden, trieb es nach dem Schulabschluß 1925 in die Ferne. Er fuhr zur See und lernte so einen großen Teil der Welt von Ostasien bis nach Nord-, Mittel- und Südamerika kennen. 1928 ging er von Bord. In Chile lernte er Land und Leute kennen und schätzen. Mit gleichaltrigen Freunden durchstreifte er das weite Land. Eine abenteuerliche Zeit, von der er gern erzählte. 
1936 lockten ihn die Olympiade und das Heimweh nach Berlin, wo er sich als kaufmännischer Angestellter niederließ. Bei einem Tanzvergnügen lernte er hier seine Frau Irmgard kennen. 1940 wurde er zur Kriegsmarine eingezogen, der er bis zum Ende des Krieges angehörte. Im Mai 1945 traf er seine Frau, der mit den beiden Söhnen die Flucht aus Danzig gelungen war, in Mollhagen auf einem Bauernhof wieder. 1949 fand er eine Anstellung beim Arbeitsamt in Bad Oldesloe. 1951 wechselte er in die hiesige Dienststelle, wo er 1973 sein Berufsleben auch beendete.
Gleich 1947 trat er der SPD bei und engagierte sich von Anfang an in der Kommunalpolitik. Als er 1953 nach Ahrensburg zog, empfingen ihn die hiesigen Parteifreunde mit offenen Armen. Bereits 1955 wird er zum ersten Mal in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, der er über 31 Jahre in verschiedenen Funktionen, u.a. als 1. Stadtrat und stellvertretender Bürgervorsteher , angehören sollte.
Immer war er bereit, zusätzliche Verantwortung zu übernehmen:
Von 1959 bis 1963 Ortsvereinsvorsitzender, leitete er von 1963 bis 1974 die Fraktion. 1959 - 74 vertrat er uns im Magistrat und ab 1974 stellte er sich der SPD-Fraktion als Geschäftsführer zur Verfügung. Für dieses herausragende kommunalpolitische Wirken wurde Hubert Mennicken 1985 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
Der Verstorbene genießt hohes Ansehen über alle Parteigrenzen hinweg.
Sein unermüdlicher Einsatz galt vor allem den sozial Schwächeren. Immer hatte er ein offenenes Ohr für Probleme und Anliegen der Bürger. Und stets ein großes Herz für „sein Ahrensburg". Fleiß, Einsatzbereitschaft, sein Interesse am Menschen und der stete Wille zum Vermitteln sind einige der Eigenschaften, die seine Freunde und Wähler an ihm schätzten.
Er galt als „lebendes Archiv". Zum Vergnügen seiner Freunde und zum Mißmut seiner politischen Gegner zog er aus seiner legendären braunen Aktentasche oft ein einschlägiges Protokoll - und lag es auch noch so weit zurück - zum jeweiligen Thema hervor. Manches Gedächtnis ist da humorvoll mit längst vergessenen Aussagen aufgefrischt worden.
Das Banner der kommunalen Selbstverwaltung wurde stets von ihm hochgehalten. Gepaart mit wachem Mißtrauen gegen die Verwaltung: „Vertrauen ist gut, Kontrolle besser", war sein bei Lenin entliehener Leitspruch. Und wenn es in politischen Diskussionen hoch her ging, dann erinnerte er an Jonny Loesch, den unvergessenen Stadtverordneten aus dem Hagen, und sein Lieblingszitat: „Friede den Hütten, Krieg den Palästen !" Da zuckten oft nicht nur politische Gegner zusammen ...
Hubert Mennicken wurde am 28. Juli auf dem Alten Friedhof beerdigt. Hans Pahl würdigte den Verstorbenen für die Stadt, Volker Wurr für unsere Partei.

Zum Abschied hatte sich Hubert Worte von Bert Brecht ausgesucht:

Die Schwachen kämpfen nicht.

Die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde lang.

Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre.

Aber die Stärksten kämpfen ihr Leben lang.

Diese sind unentbehrlich.

Wir werden Hubert Mennicken in diesem Sinne ein ehrendes Andenken bewahren.

Gerd Bartel

(aus info 10/2000)