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Die Entwürfe für den Haushalt 2003 und für die
Finanz- und Investitionsplanung bis 2006 liegen vor und gehen jetzt
in die politische Beratung. Ausgangspunkt sind die gegenüber dem
Jahr 2001 drastisch gesunkenen Steuereinnahmen der Stadt. Hatte der
Verwaltungshaushalt 2001 noch eine Einnahmensumme von rd. 48,8 Mio.
€ und 2002 von rd. 46,8 Mio. €, so geht der Entwurf für 2003
nur noch von rd. 40 Mio. € aus. Eine Aufstockung durch die
Verwendung von Rücklagen ist auch nicht mehr möglich, da diese
aufgebraucht sind. Und die weitere Entwicklung ist zumindest
unsicher.
Diese dramatische Finanzsituation bringt
Ahrensburg an den Rand der Handlungsunfähigkeit, in der sich
ärmere Städte bereits befinden, wenn sie nicht sogar schon
zahlungsunfähig sind. Mit den Methoden der Vergangenheit wird diese
Situation nicht mehr zu meistern sein, weder mit dem Drehen an der
Steuerschraube noch mit dem Streichen und Verschieben von
öffentlichen Leistungen. Beides ist nur noch sehr begrenzt zu
verantworten. Und zugleich haben sich in den "fetten"
Jahren alle Beteiligten daran gewöhnt, den städtischen Haushalt
als eine prinzipiell unbegrenzte Ressource anzusehen, von der sich
jeder einen möglichst großen Anteil zu sichern versucht.
Verantwortung füreinander und für das Ganze spielt dabei kaum noch
eine Rolle.
Mahnende Stimmen und gute Vorschläge für ein
grundsätzliches Umsteuern gibt es unter dem Stichwort Budgetierung
schon seit Ende der 80-er Jahre. Und andere Städte haben sie
inzwischen mit großem Erfolg genutzt. So konnte z.B. Neumünster,
das 1990 mit 300 Millionen DM Schulden vor dem Offenbarungseid
stand, innerhalb von 10 Jahren seinen laufenden Haushalt ausgleichen
und zusätzlich 100 Mio. DM Schulden tilgen. Da waren sich alle
Parteien einig geworden, in einer großen Kraftanstrengung den
gesamten Haushalt und sämtliche Entscheidungsabläufe der Stadt von
Grund auf zu reformieren. Dadurch konnten versteckte finanzielle
Reserven in großem Umfang mobilisiert werden.
Doch Ahrensburg ist bisher über eine
Neuorganisation der Verwaltung durch Bürgermeisterin Ursula Pepper
nicht hinaus gekommen, die die herkömmlichen
Administrationsabteilungen zu Leistungseinheiten (Fachbereichen mit
Fachdiensten) umformte. Die Politik hat dagegen ihre Hausaufgaben
noch nicht gemacht. In der Stadtverordnetenversammlung und ihren
Ausschüssen streiten sich die Fraktionen weiterhin darum, ob die
Bürgermeisterin ihr Büro renovieren lassen oder eine halbe Stelle
für einen Verwaltungsmitarbeiter nachbesetzen darf. Das darf auf
keinen Fall so weiter gehen. Die SPD hat im Mai 2002 eine neue
Initiative für einen grundlegenden Wandel ergriffen. Doch die CDU
hat bis heute die Mitwirkung verweigert und fordert stattdessen nach
der alten Haushaltslogik immer neue Streichungen wichtiger
Leistungen.
Dabei geht es in Wahrheit um Wirtschaftlichkeit,
für die Verwaltung eines Gemeinwesens eigentlich ein kategorischer
Imperativ, nicht anders als für jedes Unternehmen. Mit
Rentabilität hat das nichts zu tun, obwohl es damit oft verwechselt
und daher abgelehnt wird. Wirtschaftlich handelt eine Gemeinde, wenn
sie die ihr von den Bürgern zur Verfügung gestellten Mittel so
wirksam wie möglich einsetzt und umgekehrt die Bürger nur im
unbedingt notwendigen Maß belastet.
Das kann in einer offenen Gesellschaft jedoch nur
erreicht werden, wenn alle Beteiligten es wollen. Dafür müssen
diese in die Willensbildung und die Verantwortung einbezogen werden.
Die SPD will daher die Bürgerinnen und Bürger Ahrensburgs laufend
über wesentliche Entwicklungen informieren, sie nach ihren
Anregungen fragen und sie möglichst weit gehend an den Planungen
und Entscheidungen für die Stadt beteiligen. Und das soll auch die
Verwaltung verstärkt tun. Denn durch breite Beteiligung werden
Entscheidungen besser. Und zugleich entsteht Verständnis für die
Möglichkeiten und Grenzen des Machbaren und für Gerechtigkeit bei
dessen Nutzung.
In diesem Zusammenspiel ist es dann Aufgabe der
Politik, die Vorstellungen und Wünsche der Ahrensburger Bürger
aufzunehmen, danach die Ziele sowie den finanziellen Rahmen für das
politische Handeln der Stadt festzulegen sowie dementsprechend den
Gesamtansatz für den Verwaltungshaushalt auf Eckwerte für die
Fachbereiche und innerhalb der Fachbereiche auf sog. Produktgruppen
aufzuteilen. Dabei darf und muss in und zwischen den Parteien
darüber gestritten werden, wie hoch z.B. die Anteile für Jugend,
Sport, Kultur, Straßenunterhaltung und Grünpflege angesetzt werden
sollen. Wichtig ist dabei jedoch der Blick aufs Ganze, die auch für
die Bürger nachvollziehbare Diskussion darüber, was für ein
Gemeinwesen wir wollen und wie wir dementsprechend unsere
finanziellen Mittel verteilen wollen.
Die so politisch festgelegten Ziele muss die
Verwaltung unter Leitung der von den Bürgern direkt gewählten
Bürgermeisterin dann in den Aufgabenbereichen und deren
finanziellen Rahmen verwirklichen. Die Wege und Verfahren dafür
bestimmt sie selbst, z.B. auch ob sie die Aufgaben selbst erledigt
(Personalkosten) oder dafür besser Aufträge an Unternehmen vergibt
(Sachkosten). Das kann die Verwaltung in eigener Verantwortung viel
besser als die Stadtverordneten. Außerdem müssen nicht unentwegt
Vorlagen für die politischen Gremien produziert werden, wovon die
Bürger ohnehin nichts haben und in denen die Verwaltung stets so
viel Geld fordern muss, wie schlechtestenfalls benötigt wird.
Verantworten muss die Verwaltung dann nur die Ergebnisse ihrer
Arbeit, und zwar gegenüber den Fachausschüssen, die aber nicht in
die laufende Arbeit der Verwaltung hinein regieren dürfen.
Diese klare Abgrenzung der Aufgaben und
Verantwortung, verstärkt noch durch ein System von
Leistungsanreizen, kann erstaunliche Leistungs- und Finanzreserven
mobilisieren, die bisher ungenutzt im veralteten Verwaltungssystem
schlummerten. Die SPD will sie schon für den Haushalt 2003 nutzen.
Harald Düwel
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