Ahrensburgs SozialdemokratInnen:

Presseinformation


Ahrensburg, 21. Juni 2001

Wie fern ist uns der "Nahe Osten"?

Einen tiefen Einblick in die augenblickliche Sprachlosigkeit zwischen den Lagern in Israel/Palästina vermittelte der Referent Mathias Ries auf einer öffentlichen Mitgliederversammlung der Ahrensburger Sozialdemokraten. Der studierte Politologe hat während seines Studiums Praktika in Israel gemacht und über die Hintergründe und Zusammenhänge der Osloer Geheimverhandlungen zwischen Palästinensern und Israelis promoviert. Nach einer intensiven Schulung zur Friedensfachkraft ist er in Jerusalem tätig, um eine von den Deutschen Jungsozialisten (Jusos) begonnenes Projekt aufzubauen.

Traditionell haben die Jusos über die Internationale der Sozialistischen Jugendorganisationen (IUSY) einen guten Kontakt zu politischen Organisationen im Nahen Osten und im Mittelmeerraum. Daher haben sie vor fünf Jahren das Projekt eines Informations- und Begegnungszentrums begonnen, um jungen politisch interessierten Menschen Gelegenheit zu schaffen, um gemeinsam mit jungen Menschen aus Deutschland zu trainieren Verantwortung für die Demokratie zu tragen, ins Gespräch zu kommen und von einander zu lernen. Das Projekt heißt Willy Brandt Zentrum und wird durch einen Förderverein finanziert, der selbst Mitglied im Forum Ziviler Friedensdienst mit Sitz in Bonn ist.

Das Ziel ist durch einem Vertrag mit der israelischen Young Labor Organisation und der palästinensischen Fatah-Jugend festgelegt.

Gemeinsame Veranstaltungen mit Israelis und Palästinensern sind zur Zeit unmöglich. Doch können getrennte Seminare jeweils auf der eigenen Seite durchgeführt werden. Es geht dabei um die Geschichte und die jeweils eigene Identität, die geprägt sei von der jeweils eigenen, anderen Wahrheit.

Gerade eine Woche war es her, dass Dr. Ries für seine Informationsreise Jerusalem verlassen hatte. Beeindruckend schilderte er sein eigenes Erleben der hochgespannten Situation, wenn er auf beiden Seiten der „Demarkationslinie" zu den direkten Kontakten, die für seine Arbeit so wichtig sind, unterwegs ist. Trotz einer guten psychologischen Ausbildung zur Konfliktbewältigung, zum Umgang mit Angst und der Bereitschaft sich bei Bedarf helfen zu lassen, sprach er über die Vorgänge im Kopf, wenn man auf eine Bushaltestelle zugeht oder eine Straße passiert, über die eben noch in beiden Richtungen geschossen wurde. Er wohnt in der Altstadt von Jerusalem, wo die religiös und abstammungsmäßig sortierten Stadtteile eng beisammen liegen.

Die augenblickliche Situation sei gekennzeichnet durch Panik. Mehr und mehr würde bei gegenseitiger zunehmend ungerechtfertigter Aktionen und Gegenaktionen eine Asymmetrie zu Lasten der Palästinenser sichtbar und die wirtschaftliche Situation gleiche einer gegenseitigen Strangulation und gleichzeitigen Selbststrangulation.

In einer Situation wo keine Seite - weder Palästinenser die Lebensumstände der Israelis noch die Israelis die Lebensumstände der Palästinenser – die andere wahrnimmt obwohl sie ständig und täglich miteinander zu tun haben - auch und gerade in ziviler Hinsicht - sei jede Information, die diese Wand durchbrechen könne wichtig und es sei wichtig sie weiterzugeben. Die Arbeit muss weitergehen und wird weitergehen.

Udo Weber, der für den Vorstand der Sozialdemokraten die Veranstaltung vorbereitete, weist ausdrücklich darauf hin, dass Dr. Ries, im Rahmen seiner Arbeit, Begegnungen zwischen politisch interessierten Jugend- oder Schülergruppen auf israelischem oder palästinensischem Gebiet ermöglichen will.

Dr. Ries wird den Kontakt mit den Sozialdemokraten und interessierten Personen in Ahrensburg auf elektronischem Wege aufrechterhalten und der Kontakt zum Forum Ziviler Friedensdienst besteht direkt durch eine der Vorsitzenden Helga Tempel aus Ahrensburg.

Im Auftrag des Vorstands der SPD 

Udo Weber


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Zuletzt geändert am 26. Mai 2003 21:14 | Nachrichten an die SPD Ahrensburg