Ahrensburgs SozialdemokratInnen:

Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden Felix Welti zur Jahreshauptversammlung der SPD Ahrensburg am 4. Februar 1999


Liebe Genossinnen und Genossen,

in die nur ein gutes Dreivierteljahr dauernde Amtszeit des Vorstandes, der auf der letzten Jahreshauptversammlung am 23. April 1998 gewählt worden ist, fielen insbesondere der Wahlkampf und die Bundestagswahl am 27. September 1998.

Die SPD wurde bundesweit stärkste Partei mit 40,9% der Stimmen und stellt jetzt im Bund mit den Grünen gemeinsam Regierung und Gesetzgebungsmehrheit. In Ahrensburg konnten wir mit 41,8% der Zweitstimmen bei einer hohen Wahlbeteiligung von 86,8% zu diesem Ergebnis beitragen. Unser Bundestagskandidat Thomas Sauer erreichte in Ahrensburg 48,1%, im gesamten Wahlkreis Stormarn-Süd/ Lauenburg 47,1% der Erststimmen. Zum ersten Mal seit 1980 konnte die SPD mit Thomas Sauer ihren Kandidaten in diesem Wahlkreis durchsetzen. Die SPD lag in Ahrensburg 5, in Schleswig-Holstein 10 Prozentpunkte vor der CDU. Über 50% der Zweitstimmen erreichten wir in Ahrensburg im Stimmbezirk der Kreisberufsschule, im Gartenholz und in der westlichen Innenstadt, Stimmbezirke 9 und 20.

Thomas Sauer hatte als neuer Kandidat weder die finanziellen Ressourcen noch die sonstigen Möglichkeiten, über die ein Amtsinhaber verfügt. Er musste also viel Energie darauf verwenden, seinen Wahlkampf zu organisieren, sich bekannt zu machen und auch Vorbehalte, Gleichgültigkeit oder sogar Feindseligkeit in einzelnen Ortsvereinen zu überwinden, die seine Nominierung 1997 nicht unterstützt hatten - Wir erinnern uns: Thomas hatte sich gegen sechs Mitbewerberinnen und Mitbewerber durchgesetzt. In Ahrensburg gab es solche Probleme nicht. Der Vorstand und eine ganze Reihe von Genossinnen und Genossen - darunter auch einige, die gerade erst neu eingetreten waren - haben motiviert und engagiert für Thomas und mit Thomas Wahlkampf gemacht. Wir haben es als eine schöne Herausforderung gesehen, für "den Neuen" mit seiner frischen Art und seinen klaren Positionen - und zugleich: für einen langjährigen zuverlässigen Freund unseres Ortsvereins - Wahlkampf zu machen.

Nachdem im Mai und Juni zum einen noch eine gewisse Erschöpfung nach dem Kommunalwahlkampf, zum anderen die interne Vorbereitung - inhaltlich mit einer Versammlung zur ökologischen Steuerreform - das Bild bestimmten, kamen wir im Juni wieder mit einer "Ahrensburger Rundschau" heraus, der zwei weitere folgten. Ab Ende Juli folgten ein interessanter Besuchs- und Veranstaltungstag mit Jörg Tauss zum Thema "Innovation durch Internet", ein ganztägiger Aktionstag mit Thomas in den Stadtteilen mit "Sauer-Party" am Abend, das Kinderfest an der Grundschule am Hagen, eine wirtschaftspolitische Diskussion mit Hans-Jürgen Krupp, das Kabarett "Tri-Top" mit Jens von Häfen, Till Weber und Kurt Pump vor einem ganz vollen Schlosskirchensaal und ein "Rock für Thomas Sauer" im Speicher, veranstaltet von den Jusos. Eine Spendenaktion im Ortsverein - die zweite innerhalb eines Jahres - brachte mehrere Tausend Mark zusätzlich für unseren Bundestagswahlkampf. Wir haben - im wesentlichen durch Helmut Brejora, Olaf Böhm, Gerd Gross

und Helma und Gerd Schuhmacher - eine kräftige Plakatierung gemacht, wir haben - koordiniert von Marleen Möller - unsere Materialien im dritten Wahlkampf des Jahres 1998 aus eigener Kraft mit an die vierzig Helferinnen und Helfern verteilt, wir waren auf dem Rondeel mit Ständen präsent und haben mit Kleinanzeigen für Thomas geworben, Konrad hat Zeitungen, Materialien und unsere Internet-Seite gestaltet.

Wenn uns der Bundestagswahlkampf heute - im Licht seines Ergebnisses - als sommerliche Zeit der Aufbruchstimmung erscheint, so muss aber auch daran erinnert werden: Es hat auch da viel Regen gegeben und auch Frust. Kaum jemand von uns hat nach dem Wahlkampf das Ergebnis in dieser Deutlichkeit erwartet, auch in dieser Zeit gab es manch Pöbelei und resignative Stimme am Infostand, gab es Säle, die halbleer blieben oder Genossen, die am Infostand vergeblich auf Ablösung gewartet haben. Ich sagte es schon: Wir waren eine motivierte Gruppe beim Bundestagswahlkampf, aber wir waren auch eine zu kleine Gruppe aus unserem großen Ortsverein. Nach einem solchen Ergebnis sind natürlich viele dabeigewesen - aber wir haben auch manche vermisst, die im Kommunalwahlkampf dabei waren oder für deren Mandat wir im Kommunalwahlkampf gearbeitet haben. Und ich meine auch: Wir hätten im Bundestagswahlkampf noch etwas mehr tun können, noch deutlicher präsent und aktiv sein, die Erwartungen der Menschen an einen Politikwechsel aufn

ehmen, sie konkreter machen und formieren und vor allem: motivieren und organisieren, dass mehr Menschen politisch aktiv werden, über Wahlen hinaus Politik mitgestalten. Gemessen an den Wahlerfolgen des Jahres 1998 erscheint mir die Zahl der Neueintritte zu gering. Wir haben unsere Mitgliederzahl wiederum bei 325 stabil halten können, anderswo sieht es nicht besser aus.

Nicht so wild, könnte man sagen. Es gab ja die diesmal sehr professionelle und gute "Kampa" in Bonn, es lief gut in den Medien und das Ergebnis - auch das ist Fakt - fiel in Ahrensburg mit vergleichsweise vielen Aktivitäten nicht viel anders aus als dort, wo die SPD kaum etwas gemacht hat. Ich wiederhole aber, was ich auf der Wahlhelferdankfeier am 7. November gesagt habe: "Mit dem Fernseher kann man nicht diskutieren, allein vor ihm sitzend lernt man räsonieren, schimpfen, resignieren. Wenn Politik nur noch in der anderen Welt der Medien stattfindet, wenn Wähler nicht mehr als Bürger, sondern als "Wählermarkt" behandelt werden und selber handeln, dann besteht Gefahr. Die niedrige Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl ist ein Zeichen für diesen Effekt, denn die Kommunalwahl kommt nicht im Fernsehen vor. Wir sind gefordert, die politische Kommunikation des 21. Jahrhunderts zu schaffen, in der sich die Bürger als Gleiche gegenübertreten und nicht getrennt nach ihrer Verfügungsmacht über die Informationsmittel."

Und, so wiederhole ich auch noch einmal: "Wir stehen vielleicht am Anfang einer der größten Herausforderungen der gesellschaftlichen Linken. Wir können uns freuen, über den Schwung, die Sympathie, auch die kritischen Gedanken, mit denen wir bei den Wahlen in diesem Jahr begleitet wurden. Wir müssen uns vorbereiten auf harte Zeiten, auf scharfen Gegenwind, darauf, unsere Gewählten ebenso heftig verteidigen wie kritisieren zu müssen. Wir müssen jetzt etwas von der Überraschung, von der Freude über unsere Siege mitnehmen, um davon in den ernsten Auseinandersetzungen der nächsten Jahre etwas zu haben." Ein erstes gutes Zeichen hierfür ist, dass die IG Metall derzeit selbstbewusst ihre gerechtfertigten Lohnforderungen vertritt.

Wir haben auf unserer Wahlhelferdankfeier unsere Siege gefeiert, das war gut so. Wir hatten am 12. Dezember unsere Adventsfeier mit Ehrungen, die - nicht zuletzt dank der Vorbereitung durch Barbara Funk - trotz oder vielleicht wegen der gestraffteren Form ein schönes Zusammenkommen gewesen ist.

Und wir stehen jetzt schon mitten in den Auseinandersetzungen darüber, ob die rot-grüne Mehrheit die Reformen, für die wir angetreten sind und geworben haben, durchsetzt, ob sie den Erwartungen gerecht wird. Und da haben wir uns weniger an der Erwartungshaltung und notorischen Schadenfreude eines inhaltsentleerten Journalismus, am Gezeter der Wirtschaftsbosse, die diese Regierung verhindern wollten oder an den Unterschriftensammlungen der Abgewählten zu orientieren. Der Maßstab für die SPD müssen zuerst die eigenen Wähler und Inhalte sein, dann die Grünen als Partner und zuletzt erst kann es auf den Beifall der Gegner ankommen.

Die Sozial-, Wirtschafts- und Finanzpolitik muss mehr Beschäftigung, weniger Arbeitslosigkeit und gerechtere Verteilung des Reichtums, vor allem für Arbeitnehmer und Familien erreichen. Mit mehr Demokratie, Liberalität und Integration muss die Ausgrenzung einer großen Gruppe längst eingewanderter Menschen beendet werden, ein modernes Staatsbürgerrecht gehört dazu. Anstelle von gefährlicher Atomkraft und umweltzerstörender Lebens- und Produktionsweise muss eine Gesellschaft treten, die Energie, Wohlstand und Mobilität in einer Weise erreicht, die nicht mehr die Lebensgrundlage der nächsten Generation zerstört. Bei den ökologischen Reformen - und nicht bei Lohnverzicht für mehr Profit - ist der richtige Platz, den Menschen tatsächlich unbequeme Wahrheiten zu sagen, Umdenken zu fordern und zu fördern. In diesen zentralen Fragen der Politik ist die SPD, sind wir als Ortsverein gefordert, Regierungspolitik zu begleiten und zu diskutieren, für sie zu werben und weiter zu denken, in Konflikten Stellung zu beziehen

. Unsere Versammlung mit Thomas Sauer in zwei Wochen und die von Konrad angeregte Aktion gegen Rassismus und für ein neues Staatsbürgerrecht können da nur ein Anfang sein.

Es gibt viele Gründe, warum ein Scheitern dieser neuen Regierung fatal wäre. Ein wichtiger: Die Gefahr von ganz rechts ist nicht gebannt. Erfolge der DVU - wie es uns noch im Juni im Ortsverein beschäftigte - rechte Gewalt, rassistische und antidemokratische Einstellungen sind in unserer Gesellschaft präsent und werden in neuen Gewändern salonfähig. Wenn wenige Kilometer östlich von hier dunkelhäutige Menschen oder als "Linke" zu erkennende Jugendliche ihres Lebens nicht mehr sicher sind, weil den Nazis die Straße gehört, wenn sich vor wenigen Tagen in unserer Landeshauptstadt Kiel 1.000 Nazis am 30. Januar, dem Jahrestag der Machtübergabe an Hitler, mit schwarz-weiss-roten Fahnen durch die Straßen ziehen und den Veranstaltern der Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht mit dem Tod drohen, dann ist dies eine neue deutsche Normalität, mit der sich die SPD nicht abfinden darf. Mit den Jusos haben wir in Kiel an der Gegendemonstration teilgenommen - und ich bin nicht damit einverstanden, dass der SPD-Landesverband sich entschieden hatte, an diesem Tag nicht zur Demo aufzurufen, sondern nichts zu tun. Heide Simonis, Norbert Gansel und Willi Piecyk hätten da in die erste Reihe gehört - um den Widerstand gegen Nazis nicht dem Eifer halbwüchsiger Autonomer zu überlassen. Denn es sind SPD, Gewerkschaften, Kirchen, die jetzt gemeinsam zeigen müssen, dass die Demokraten und Antifaschisten den öffentlichen Raum, die öffentliche Meinung nicht dem Rassismus und nicht der Verharmlosung oder Verherrlichung von Faschismus und Weltkrieg überlassen. Die CDU fällt dazu leider aus: Sie versucht, sich mit einer ausländerfeindlichen Kampagne zu profilieren und Würzbach und Stoltenberg beschimpfen diese notwendige Ausstellung in einer Weise, die ganz rechts gut Anschluss findet.

1999 stehen die Wahlen zum Europaparlament bevor. Sie sind nicht nur ein Test auf die Verankerung der Mehrheit von 1998. Zur Vorbereitung haben wir das Nötigste getan: Willi Piecyk ist als Schleswig-Holsteins Europakandidat wieder aufgestellt. Im übrigen aber hat es die Sozialdemokratie auch in den letzten Jahren versäumt, sich offensiv ein europäisches Programm und Projekt zu erarbeiten. Nun, in fast ganz Europa an der Regierung, scheint sie ratlos, die nötigen Umgestaltungen für ein demokratisches, soziales und friedliches Europa anzupacken. Britische Steueroasen, französische Atompolitik, Kriegsgefahr im Kosovo, ein noch zu machtloses Europaparlament: Unser Europa bleibt noch zu schaffen - und wenn wir weiter meinen, das sei den Experten zu überlassen, bleiben wir genau da stehen, wo wir jetzt sind. Der Ruf nach einem Europa, dass die Halbierung der Arbeitslosigkeit so entschlossen zum Anliegen macht, wie bis vor kurzem die "Maastricht-Kriterien" muss jetzt unüberhörbar werden. Die Zusammenarbeit mit Ahr

ensburgs Partnerstädten und den dortigen Sozialisten ist ein Ansatz für unser Europa von unten - und ich hoffe, dass Helmas Initiative für eine Zusammenarbeit mit Esplugues im Europawahlkampf von Erfolg begleitet wird.

Nach unseren Erfolgen bei der Stadtverordneten- und Bürgermeisterwahl im Frühjahr 1998 war das letzte Dreivierteljahr auch davon geprägt, dass sich Uschi Pepper und unsere Fraktion unter Führung von Uschi Ebert in dem neuen Kräftefeld der Kommunalpolitik - mit neuen Mehrheiten in einer neuen Kommunalverfassung - zurechtfinden mussten. Als stärkste Fraktion und Inhaberin der Schlüsselstellungen Bürgermeisterin, stellvertretender Bürgermeister - Wolfgang Sinning - , Bürgervorsteher und Hauptausschussvorsitzender - Hans Pahl - sieht sich die SPD dabei vielen Erwartungen ausgesetzt - die mangels einer dauerhaften Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung nicht alle erfüllt werden können.

War 1998 noch davon geprägt, dass CDU und WAB den Verlust ihrer Mehrheit auf dem Rücken von Schülerinnen und Schülern zu kompensieren suchten, indem sie mit allen Mitteln den Ausbau der Integrierten Gesamtschule und deren Oberstufe behinderten - letztlich vergebens - und die Bürgermeisterin immer wieder kleinkariert attackierten, gibt die Einigung mit CDU und Grünen über den Haushalt 1999 vor wenigen Tagen Anlass zu der Hoffnung, dass auch in Ahrensburg rationale Kompromisse möglich sind und die CDU erkennt, dass sie bei einer dauerhaften Bindung an die WAB nur verlieren kann. Dennoch: Wir bleiben in einer schwierigen Situation: Gerade weil wir stärkste Partei sind und die Bürgermeisterin stellen, ist der Druck auf uns groß, Kompromisse einzugehen, denn Entscheidungsunfähigkeit, Verzögerungen, Enttäuschungen werden in dieser Konstellation immer stärker Uschi Pepper und der SPD angerechnet als denen, die sie vielleicht wirklich verursachen.

Auch da heißt es: Öffentlicher Druck für die Ziele unserer Politik muss organisiert werden, Fraktion und Bürgermeisterin brauchen die Unterstützung durch einen starken und offenen Ortsverein, der sich in der kommunalpolitischen Diskussion zu Wort meldet und zugleich Menschen anspricht und einbindet, die noch nicht bei uns aktiv sind. Es ist uns - trotz verschiedener Anläufe - noch nicht gelungen, zu diesem Zweck einen arbeitsfähigen AK Kommunales einzurichten. Es fehlten die Leute, die sich darum kümmern wollten. Unsere Versammlung im November zeigte aber immerhin, dass eine lebhafte Diskussion zur Kommunalpolitik im Ortsverein möglich ist, wenn auch mit zuwenigen und vor allem zuwenigen "nicht eingeweihten" Leuten. Die Themen, die uns dort und jetzt in den Haushaltsberatungen der Stadtverordneten beschäftigt haben - Neubaugebiete Erlenhof, Ahrensburger Redder und Beimoorweg Süd, Speicher, Marstall, Sozialstation - werden den Ortsverein weiter beschäftigen müssen; ebenso die weitere Entwicklung von öffentlicher Kinderbetreuung und Schulen in Ahrensburg und die Verwaltungsreform für mehr Bürgerfreundlichkeit und Effizienz.

Bürgermeisterin, Fraktion und Ortsverein werden dabei ihre jeweils eigenen Rollen und Aufgaben zu erfüllen haben und sie müssen dabei zusammenwirken. Dieser Prozess, diese Suchbewegung hat die ersten Monaten geprägt, es braucht dafür Zeit für. Unsere durch Wahlsieg und Überhangmandat unerwartet große Fraktion mit vielen neuen Leuten - darunter solche, die mit dem sofortigen Mandat keinesfalls gerechnet hatten - ist dabei, sich einzuarbeiten und sie hat nun "ihren ersten Haushalt" beraten und beschlossen. Die Zusammenarbeit zwischen Vorstand, Fraktion und Bürgermeisterin ist gut gewesen, durch eine leicht verstärkte personelle Überschneidung ist der Draht zwischen Vorstand und Fraktion kürzer gewesen als noch in Vorjahren.

Und es gibt auch viel Grund zur Zuversicht: Schon nach einem dreiviertel Jahr ist Uschi Pepper die Bürgermeisterin in Ahrensburg - an Vorgänger oder gar Gegenkandidaten gibt es nur noch eine schwache Erinnerung, so intensiv und positiv füllt sie dieses Amt aus. Der Umbau der Verwaltung macht jetzt spürbare Fortschritte, Bürgerbeteiligung und soziale Verantwortung werden als Leitlinien deutlich. Und dass es auch durch Uschis Vermitteln und Drängen gelungen ist, einen Haushalts-Kompromiss zu erreichen, zeigt, dass die CDU wohl eher nicht in der Lage sein wird, eine reine Negativ- und Miesmacher-Strategie gegen Uschi über fünf Jahre durchzuhalten. Wir haben die große Chance, aus dieser Wahlperiode mit einer dauerhaften Mehrheitsfähigkeit der Linken und Führungsfähigkeit der SPD in Ahrensburg herauszugehen - wenn wir ebenso entschlossen nach außen wie gelassen nach innen unsere Linien entwickeln.

Im Stormarner Kreistag haben wir bereits in der zweiten Wahlperiode eine rot-grüne Mehrheit und es zeigt sich, dass dort jetzt einige über lange Jahre verfolgte und durchgekämpfte Projekte dauerhaft und wirksam werden: die Stormarner Beschäftigungsgesellschaft, die ihre Arbeit weiter ausweitet und in der jetzt endlich auch die Stadt Ahrensburg mitmacht, die Suchtberatung, deren dauerhafte Finanzierung durch den Kreis jetzt wohl gesichert ist und die Schuldnerberatung, die mit dem Jahresbeginn sich aktiv an den Möglichkeiten der Entschuldung nach der neuen Insolvenzordnung beteiligt, hier ist Stormarn führend im Land. Diese drei Beispiele für die Frage "Was macht eigentlich der Kreis?" sind zugleich beispielhaft für den sozialdemokratischen Ansatz der Sozialpolitik: Menschen in Not zu helfen, wieder auf die eigenen Beine zu kommen, sie nicht dauerhaft zu Hilfeempfängern werden zu lassen. Wir brauchen uns also nicht erzählen zu lassen, die Hilfe zur Selbsthilfe und Selbstverantwortung sei eine neue Idee oder die unserer Gegner: CDU und FDP haben so etwas nicht eingeführt. Die Realisierung dieser Projekte ist nicht zuletzt der beharrlichen und kompetenten Arbeit von Margot Sinning im Kreistag zu verdanken, seit der Wahl verstärkt durch Marleen Möller.

1999 ist auch das Jahr vor der Landtagswahl im März 2000, die Vorbereitungen für Kandidatenaufstellung und Programmdebatte haben begonnen. Nach zwölf Jahren Regierung im Land ist Schleswig-Holstein verändert, ist moderner und sozialer geworden. Aber es gibt auch Abnutzung bei Regierung und Partei, so dass höchste Aufmerksamkeit und Anspannung unserer Kräfte geboten ist. Die aktive Arbeitsmarktpolitik des Landes, die auch im Vergleich sozialdemokratisch regierter Länder noch beachtlichen Anstrengungen für Kindergärten und Schulen - auch Gesamtschulen -, der Naturschutz - ob am Höltigbaum oder im Wattenmeer - , eine Wehrmachtsausstellung im einstmals schwarz-braunen Schleswig-Holstein: uns und anderen muss klarwerden, dass dies nicht selbstverständlich ist.

Konrad Nabel vertritt uns seit 1988 im Landtag. Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender und umweltpolitischer Sprecher der SPD hat er gerade unter den Bedingungen einer nicht immer reibungslosen Koalition eine wichtige Aufgabe in Kiel, kann etwas gestalten und bewegen. Das hat auch bedeutet: Er kann nicht mehr jeden Termin hier bei uns wahrnehmen. Aber Konrad ist basisnah geblieben, er ist und bleibt eine wichtige und zuverlässige Stütze der Ortsvereinsarbeit. Was er im Vorstand geleistet hat, war kein "Nebenprodukt" der Landtagstätigkeit, sondern etwas eigenes, wofür Konrad oft genug Nachtschichten eingelegt hat, vor allem die Arbeit am "info", der Ahrensburger Rundschau, den Flugblättern und den Internet-Seiten. Zugleich vermittelt Konrad - wie zuletzt mit der Kindergartenkonferenz - auch die Kieler Kleinarbeit hier im Wahlkreis und ist da, wenn es um Ahrensburger Anliegen geht.

Die Entscheidung des Kreisverbandes der SPD, seinen Sitz von Ahrensburg nach Bad Oldesloe zu verlegen, hat für den Ortsverein Folgen. Seit November versuchen wir, gemeinsam mit den Abgeordnetenbüros Sauer und Nabel in zwei kleinen Räumen einen neuen Tagungsort an der alten Adresse zu schaffen. Hier ist noch einiges zu tun.

Liebe Genossinnen und Genossen,

es wird wieder über Politik diskutiert in Deutschland und auch in Ahrensburg. Die Wahlen im letzten Jahr haben den Willen nach Veränderung gezeigt. Es ist an uns, die Diskussionen aufzugreifen, ihnen Ort und Richtung zu geben. Viele Menschen sehen die Position der Parteien in Staat und Gesellschaft sehr kritisch. Die Privilegien der Parteien bei der Auswahl und Beeinflussung des politischen Führungspersonals, bei Wahlen und im gesellschaftlichen Leben sind in der Tat nur dann zu rechtfertigen, wenn die Parteien ihrer Aufgabe gerecht werden, an der politischen Willensbildung auf allen Ebenen mitzuwirken und den Bürgerinnen und Bürgern das Forum, den Ort auch ihrer eigenen Mitwirkung anzubieten, die Demokratie im praktischen zu organisieren. Dieser öffentlichen Aufgabe dürfen wir uns nicht entziehen.

Viele haben dazu im letzten Jahr ihren Beitrag geleistet - als Mandatsträger und Vorstandsmitglieder, durch Zeitung verteilen und Info verschicken oder Plakate kleben, als SechzigPlus oder Jusos, bei der Versammlung oder als Bindeglied zwischen Familie, Kollegenkreis oder Nachbarschaft und der Partei. Dass es noch mehr werden, die mit Spass und Verantwortungsbewußtsein mittun, das bleibt Aufgabe.

Liebe Genossinnen und Genossen,

Ihr wisst, dass dies mein letzter Rechenschaftsbericht vor diesem Ortsverein ist. Nach knapp vier Jahren als Vorsitzender, acht Jahren im Vorstand, sechzehn Jahren in der Partei verabschiede ich mich von Ahrensburg und vom Ortsverein.

Mit mir werden aus verschiedenen Gründen sieben Vorstandsmitglieder ausscheiden: Andrea Schulz, Elisabeth Wittig, Kerstin Reimer, Marleen Möller, Martina Moede, Helmut Brejora und Christian Ernst. Für die Arbeit wird dies eine gewisse Zäsur bedeuten. In den letzten Monaten hat sich das abgezeichnet, so dass der Vorstand in letzter Zeit nicht mehr mit voller Kraft arbeiten konnte und ein guter Teil der verbleibenden Arbeit für die Suche nach neuen Kandidatinnen und Kandidaten verwendet werden musste; dreimal hat der Vorstand die Interessierten eingeladen, um eine Diskussion über die künftige Ortsvereinsarbeit zu führen. Mit der alltäglichen Geschäftsführung war Konrad in den letzten zwei Monaten oft fast alleine.

Ich danke dem Ortsverein für die Möglichkeit, hier mit Euch zu kämpfen und zu lernen, ich wünsche Euch alles Gute für die kommende Zeit.


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Zuletzt geändert am 26. Mai 2003 21:14 | Nachrichten an die SPD Ahrensburg