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Für einen heute 80 Jahre alten Menschen, der immer
interessiert und aktiv die Geschehnisse seines Heimatlandes und
die Weltereignisse wachen Sinnes verfolgt hat, möchte ich meine
persönlichen und politischen Erlebnisse und Erfahrungen bis Anno
1946 wiedergeben. Weil ich mir bewußt bin, daß es mehr eine
Aufzählung von den Ereignissen sein wird -der Stoff und Inhalt
aber könnte Bände füllen-, so benenne ich sie der Redlichkeit
und Einfachheit halber
"Skizzen aus meinem Leben bis Anno 1946"
Am 26. September 1911 wurde ich in Hamburg-Barmbeck geboren
und zwar in einem Genossenschaftsblock des Konsum-Spar-Vereins
eGmbH "Produktion". Dieser Wohnblock wurde in den
Jahren von 1909 bis 1911 errichtet. Wir bewohnten darin eine
Zwei-Zimmerwohnung zusammen mit Mutter, Vater und 5 Kindern. In
unserem Wohnzimmer hingen zwei große Schwarz-Weiß-Zeichnungen
mit den markanten Portraits von Wilhelm Liebknecht und August
Bebel.
Mein Vater wurde am 17.7.1877 in Buxtehude geboren. Von seiner
Kindheit ist mir nur bekannt, daß sie sehr schwer gewesen sein
soll, weil er elternlos aufwachsen mußte. In jungen Jahren hat
er als Fabrikarbeiter in einer Marmorschleiferei in Buxtehude und
später auch in Dietz an der Lahn gearbeitet. Anschließend fand
er Arbeit bei der Werft Blohm & Voss und schließlich im
Eisenhandel der Firma Döbler (heute Stahlgroßhandel Carl
Spaeter). In dieser Zeit vor der Jahrhundertwende hat er sich
gewerkschaftlich und parteipolitisch organisiert. Als ich geboren
wurde, war mein Vater Schalttafel-Wärter (Monteur) bei dem
Elektrizitäts-Werk-Unterelbe in Altona. Hier gehörte er dem
Heizer- und Maschinisten-Verband an, später der IGM. Auch der
SPD hielt er sein Leben lang die Treue - wenn es auch mitunter
recht schwer war -, zum Beispiel bei der Bewilligung der
Kriegskredite am 4. August 1914 im Reichstag. Besonders dadurch
wurde er ein oppositioneller Sozialist innerhalb der SPD. Eine
Spaltung der Partei hielt er für eine Schwächung der
ArbeiterInteressen, denn sie würde nur dem Gegner nützen.
Im Jahre 1925 hatte mein Vater einen Betriebsunfall im
Elektrizitäts-Werk. Nach mehrjährigem Krankenhausaufenthalt und
anschließender ambulanter Behandlung bekam er eine Unfallrente
von 60 % anerkannt. Er starb im Jahre 1936 im Alter von 58 Jahren
an den Folgen des Unfalls.
Meine Mutter wurde am 25. Juli 1876 in Hechthausen bei Stade
geboren. In einer Zeit, in der es nur wenig Schulunterricht gab
und das Auswendiglernen des Katechismus für das wichtigste Thema
gehalten wurde, war in dieser einklassigen Dorfschule Rechnen,
Lesen und Schreiben zweitrangig. Dazu kam, daß meine Mutter
schon als Kind bei einem Bauern arbeiten mußte und im Winter bei
unpassierbaren Straßen (Schnee) nicht regelmäßig die Schule
besuchen konnte. Als junges Mädchen nach der Schulentlassung
diente meine Mutter in dem Lokal Drews in der Herrlichkeit in der
Nähe des Freihafens in Hamburg und zwar sieben Jahre lang.
Hier in der Hafenkneipe tranken die "Spiekerlüd"
und die Quartiersleute ihren "Lütt un Lütt" und
nahmen ihre Mittagsmahlzeit zu sich. Am 30. Dezember 1900
heirateten meine Eltern in Buxtehude. Wir Kinder hatten ein gutes
Elternhaus und ein vorbildliches Familienleben. Meine Mutter
hatte uns immer -auch in den Kriegsjahren und der Inflationszeit-
gut versorgt und umsorgt, soweit es eben die äußeren Umstände
zuließen. Der l. Mai war für und immer ein großer Kampf- und
Feiertag. Auch Mutter war aus Überzeugung oft dabei, wenn
möglich auch bei den Maidemonstrationen. Nach einem
sorgenreichen und erfüllten Leben starb meine Mutter im Alter
von 87 Jahren am 5. September 1963.
Wir Kinder wurden in und zur Freiheit mit Verantwortung, sowie
in Liebe und Achtung vor der Natur erzogen. Meine Geschwister
sind alle durch die Freidenkerjugend schulentlassen worden.
Nach Kriegsende im Jahre 1918 wurde ich Mitglied im
Arbeiter-Turn- & Sportverein Hamburg 93. Wir machten
Geräteturnen in der Turnhalle und Schlagball im Freien. Ich
gehörte auch dem "Ausschuß zur Förderung der
Jugendspiele" an, später unter dem Namen
"Kinderfreunde" bekannt. Hier lernten wir Wander- und
Nestlieder singen, Musizieren, Volkstanz, Wandern mit der Gruppe
und besuchten außerdem viele Kulturveranstaltungen.
Meine Schulentlassungsfeier im Jahre 1926 fand im Rahmen der
Jugendweihe statt.
Die zuvor genannten Inhalte nahmen durch den Eintritt zur SAJ
ihren Fortgang. Es kamen dann ernstere Themen hinzu, wie
politische, wirtschaftliche und gewerkschaftliche Fragen, sowie
auch die Naturwissenschaft.
Von Ostern 1919 an besuchte ich die Knaben-Volksschule in der
Lohkoppelstraße. Zwei Jahre nach dem ersten Weltkrieg wurde in
Barmbeck am Tiloh Süd eine Gemeinschaftsschule (als
Versuchsschule) zugelassen. Meine Eltern hatten mich gleich dort
angemeldet. Wahlfreiheit stand am Anfang dieses Schulversuchs. Es
galt nun, die Besonderheit zu suchen und an Stelle des
gleichförmigen Schulgesichts die tausend verschiedenen
Eigengesichter zu finden. Jedem sollte es gegeben sein, seine
eigenen Veranlagungen zu entdecken und zu entfalten. Im
Mittelpunkt dieses Lebens stand als Träger die kleine
Gemeinschaft. Sie schart sich um den Lehrer, welcher Freund
Helfer und Anreger sein möchte, der Hemmungen beseitigt, dort
zurückdämmt und dem Stillen zu Hilfe kommt im Kampf mit den
Ellenbogenmenschen und den robusten Maulhelden.
Mit ihrem Lehrer baut sich die Gemeinschaft ihren Arbeitsplan
und setzt darin auch Übungsstunden an, um sich die Technik des
Schreibens des Lesens und Rechnens zu erwerben. Neben dem
normalen Unterricht gibt es Wahlkurse. Zu den Wahlkursen zählen
u.a. Holz- & Pappwerken, Musik, Physik, Biologie, Mathematik
und Sprachen, sowie wöchentlich ein Ausflugstag und jährlich
mindestens eine Klassenreise. Für die Schulentlassenen: Eine
Bühnenspielgruppe. Einbeziehung der Eltern in den gesamten
Schulbetrieb. Mein Lehrer war Wilhelm Lamszus, ein sehr guter
Pädagoge und Schriftsteller. Er war ein Kämpfer der
Schulreformbewegung an führender Stelle schon vor 1918.
Nach meinem Schulabschluß im Jahre 1926 erlernte ich den
Beruf eines Dekorationsmalers und bestand 1929 die
Gesellenprüfung vor der Innung des Maler- und Lackierhandwerks.
Nach meiner Gesellenprüfung bin ich mit meinem Freund und
Genossen Edgar Valentiner auf Wanderschaft gegangen. Unser erstes
Ziel war Wien, denn dort fand im Juli 1929 das internationale,
sozialistische Jugendtreffen statt (siehe Anhang) Zu Fuß nach
Wien war unsere erste Probe auf der Walz als Tippelbrüder.
Mein Vater war über die politischen Ereignisse
niedergeschlagen und sehr besorgt. Besonders über das ständig
anwachsende und in die Millionen gehende Arbeitslosenheer. Die
Folgen waren bitter. Im März 1930 war der Rücktritt der Hermann
Müller-Regierung. Dazu das Ansteigen der NSDAP- Abgeordneten im
Reichstag von 12 auf 107 Mandate am 14. September 1931. Die
Bildung der "Harzburger Front" zur Aushebelung der
Preußen- Regierung Braun-Severing und zur Vorbereitung der
Wiederwahl des Reichspräsidenten von Hindenburg.
Am 10. April 1932 wurde Hindenburg wiedergewählt. Im gleichen
Jahr folgte am 20. Juli die Absetzung der Preußischen Regierung
durch die Reichsregierung Franz von Papen. Bei der Wahl am 3l.
Juli 1932 erringt die NSDAP von 608 bereits 230 Sitze. Am 30.
Januar 1933 wird Hitler von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt.
Am 27. Februar 1933 brannte der Reichstag. Einen Tag spáter
wurden die Grundrechte durch die "Verordnung zum Schutze von
Volk und Staat" aufgehoben. Gegen die Stimmen der SPD nimmt
der Reichstag am 24. März 1933 das Ermächtigungsgesetz an. Nun
erfolgte am 14. Juli das Verbot aller politischen Parteien,
außer der NSDAP.
Wir haben in dieser Zeit besonders viel über die Ursachen und
Wirkungen diskutiert. Besonders über die Demokratie im
kapitalistischen Staat. Wir kamen immer mehr zu der Überzeugung,
daß es eine politische Freiheit nicht geben kann, solange der
Mensch wirtschaftlich in Abhängigkeit lebt und nur eine kleine
Gruppe über den Besitz und die Produktionsmittel verfügt. Es
ist schon was dran an dem Motto: "Demokratie ist nicht viel,
Sozialismus ist das Ziel". Nun möchte ich einige Daten von
mir einfügen. Von 1926 an war ich Mitglied der Sozialistischen
Arbeiterjugend, sowie auch der Gewerkschaft, zuletzt und immer
noch bei der IGM. Seit dem Jahre 1929 bin Mitglied der
Sozialdemokratischen Partei SPD.
Als Mitglieder oder Funktionäre der SAJ versuchten wir noch
1933 einen organisatorischen Zusammenhalt zu behalten, um
weiterhin über den wahren Charakter der NSDAP aufklärend wirken
zu können. Auch wollten wir den Widerstand in jeder Weise
betreuen im Kampf um die Demokratie. Meine Tätigkeit zu den
illegalen Ketten der SPD bezweckte im wesentlichen einen
organisatorischen Zusammenhalt, zwecks Vorbereitung illegaler
Zeitungen und Broschüren, zum Beispiel den Vorwärts, die SA-
Sozialistische Aktion, Oranienburg usw. Wir mußten auch den
Verfolgten Beistand gewähren, oder die Angehörigen von
Verfolgten unterstützen. Um das Ziel, die Beschaffung des oben
angeführten Materials zu erreichen und zur Sicherung tätiger
Genossen habe ich meinen regelmäßigen Dienst in einer
Nachrichtengruppe verrichtet.
Lt. Haftbefehl wurde ich am 23. Oktober 1934 wegen
Vorbereitung zum Hochverrat in das Hamburgische KZ Fuhlsbüttel
eingeliefert. Verurteilt wurde ich am 25. August 1935 vom
Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg zu 18 Monaten Gefängnis.
Am 25. April 1936 wurde ich dann aus der Strafhaft entlassen.
Während der Haftzeit durfte ich dann auf Antrag am l2. März
1935 heiraten. Ich wurde mit drei Gestapo-Beamten zum Standesamt
2 Hamburg Mitte ausgeführt. Nach der Eheschließung mußte ich
wieder meine Haft antreten. Am 23. Mai 1935 wurde unser Sohn Kurt
geboren. Meine Frau Martha wohnte mit unserem Sohn bei ihren
Eltern, wo ich nach meiner Haftentlassung auch liebevoll
aufgenommen wurde, bis wir eine eigene Wohnung fanden. Eine
Mietwohnung bezogen wir 1937 in der Starstraße in
Hamburg-Barmbeck. Hier wurden unser zweiter Sohn Nils am 24. Juni
1938 und unsere Tochter Hanne am l B. Oktober 1940 geboren. Durch
Empfehlung ehemaliger Genossen bekam ich bald Arbeit. Im
Malereibetrieb W.K. Kruse wurde ich materiell und sozial gut
unterstützt. Das war zu dieser Zeit keineswegs
selbstverständlich, zumal ich aus der Volksgemeinschaft der
Arbeitsfront und durch Ausschließungsschein vom Wehrdienst
ausgeschlossen war.
Aufgrund eines besonderen Führererlasses im Herbst 1942 wurde
ich am 1. Dezember 1942 zur Bewährungs-Division 999 nach dem
Heuberg bei Stetten am kalten Markt eingezogen. Im Sommer 1942
wurde unsere Ehe geschieden. Die Kinder wurden mir zugesprochen.
Als ich im gleichen Jahr zur Strafdivision eingezogen wurde.,
nahmen meine Schwiegereltern den Kurt in Pflege und die beiden
Jüngsten wurden von meiner Schwägerin und meinem Bruder
versorgt. Sie waren alle drei wohlgepflegt und ab 1947 konnte ich
sie wieder selbst versorgen. Hier an dieser Stelle möchte ich
allen Dank sagen, die mir geholfen haben.
Infolge meines Einsatzes durch die Strafdivision 999 kam ich
über Belgien, Südfrankreich (Prov. Gard) nach Italien. Am S.
April 1943 sollten wir von Neapel nach Tunis geflogen werden.
Mein Flugzeug wurde vor Afrika bei Cap Bon abgeschossen.
Aus diesem Flugzeug bin ich der einzige Überlebende und zwar
dadurch, daß ich 5 Stunden lang im Mittelmeer geschwommen bin.
Ich wurde dann von einem italienischen Küstenwachboot
aufgefischt und in Tunis in ein Lazarett eingeliefert. Lt.
Eintragung in mein Soldbuch ist dies am 5. April 1943 geschehen.
Nachdem meine Brustprellungen auskuriert waren, kam ich 3 Wochen
später nach Italien zurück und zwar in ein Auffanglager in der
Nähe von Neapel. Vonda aus ging es zurück zum Heuberg und zur
Neuaufstellung für einen Einsatz in Griechenland. Die Fahrt,
oder besser gesagt der Transport per Eisenbahn ging über Agram,
Skopje, Thessaloniki, Larissa nach Athen. In Piräus folgte die
Einschiffung für die Fahrt durch den Suezkanal. Im Golf von
Korinth sahen wir bei Patras das Freudenschießen der Italiener
wegen des Sturzes von Mussolini am 9. September 1943 und wegen
der Kriegserklärung an Deutschland. Im Ionischen Meer landeten
wir auf der Insel Zakynthos. In Deutschland heißt diese Insel
Zante und mir fiel der Slogan von der Slomannlinie ein:
"Zante ist und bleibt die Perle der Levante". So
erlebte ich die Insel auch. In dem tropischen Klima wächst
eigentlich alles. Es gibt herrliche Olivenhaine, Weingärten,
Kakteen, Palmen und es wachsen Zitronen, Melonen und vieles
andere mehr. Bald nach meiner Ankunft auf Zakynthos suchte ich
-trotz Verbot- Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung. Die
Griechen sitzen an warmen Sommerabenden vor ihren mit Blumen
geschmückten Häusern und vor immergrünen Bäumen und singen
gemeinsam Lieder, dadurch konnte ich schnell durch Gespräche ihr
Vertrauen gewinnen. Ich wurde von Alekis Kokiaris in sein Haus
eingeladen und er machte mich mit seiner Großfamilie, sowie mit
einigen Freunden bekannt. Alle waren erstaunt, daß ich einem
Bewährungsbataillon angehörte. Außerordentlich waren sie an
dem Kriegsgeschehen interessiert. Wir wurden gute Freunde und
halfen einander. Oftmals trafen wir uns mehrmals am Tage. So
bekam ich nach wenigen Wochen Kontakt zu der griechischen
Untergrundbewegung. Unser größter Erfolg war, daß es weder bei
unserer Truppe noch bei den Griechen Tote gab. Am 4. September
1944 habe ich mich von der Truppe abgesetzt. Von meinen Freunden
war mein Fluchtweg unter Beobachtung, so daß ich sicher und gut
in einer Berghöhle untergebracht war. Zweimal täglich wurde ich
herzlich mit Lebensmitteln und mit Neuigkeiten versorgt und zwar
bis zum Abzug der deutschen Truppen von der Insel. Danach machte
ich mich in der Stadt nützlich und arbeitete am Wiederaufbau der
Insel mit. Von den Griechen wurde ich als Verbündeter und als
Freund anerkannt. Ich trug Zivilkleidung, auch bei der Ankunft
der englischen Minensuchboote. Siehe Anhang 8 und 9.
Am 15. November 1944 sollte ich mich zur Überprüfung meiner
Personalien auf einem der englischen Kriegsschiffe melden. Dort
wurde ich zusammen mit anderen Deutschen zum Kriegsgefangenen
erklärt. Die Griechen protestierten, aber es half nichts. Auf
meinen Protest hin sagte der Kapitän, meine Angelegenheit würde
in einem Lager überprüftwerden. So landete ich in einem
Kriegsgefangenenlager in Tarent. Hier sagte man mir, die
Überprüfung meiner Angaben und die Ausstellung von Ausweisen
würde im Stammlager erfolgen. Wieder wurde ich mit anderen
Kriegsgefangenen zusammen eingeschifft und landete in Ägypten.
Hier in einem riesigen Gefangenenlager -Camp 379- kam ich in
einen Antinazi-Cage Nr. 35. Einige Monate später kam ich auch in
einige andere Lager in Ägypten. Trotz mehrfacher Proteste und
Eingaben mußte ich bis zum 30. Dezembar 1946 auf meine
Entlassung in die Freiheit warten.
Resümee von 49 Jahren nach Anno 1946.
Am 2. Januar 1947 bin ich nach langen Jahren der
Kriegsgefangenschaft in meine zerbombte und verwüstete Heimat
zurückgekommen. Trotz vieler Nöte war ich glücklich. Endlich
konnte ich meine Familie zusammen bringen und für meine Kinder
und meine Mutter selbst sorgen. Nach Zerschlagung der
Hitler-Diktatur mußte mit dem Wiederaufbau eines demokratischen,
sozialen Staates begonnen werden, mit einer dem Gemeinwohl
dienenden, bedarfsdeckenden Volkswirtschaft, ohne
Kriegsindustrie. Für diese Ziele hatten wir - und Generationen
vor uns gekämpft.
Es kam anders. Der Kapitalismus hat sich restituiert. Mit der
sogenannten "Sozialen Marktwirtschaft" und mit den
Leistungsgesellschafts-Methoden setzt er rücksichtslos seine
reaktionären Machtmittel ein. So ist er im Besitz aller
Produktionsmittel und des Bankkapitals, der Immobilien, sowie der
Monopolkonzerne. Ein wichtiges Verfassungsrecht ist uns
geblieben:
Die politische Freiheit!
Grundrechte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und das
Recht auf Arbeit, sowie die Übereinstimmung von Ökologie und
Ökonomie. Diese Menschenrechte müssen durch Parlamentswahlen
erkämpft werden, damit die Geschichte eine menschenwürdige und
naturgerechte Entwicklung bewirkt. Über die bisherigen
Ergebnisse kann man streiten, nicht aber über die Notwendigkeit,
den Kampf fortzusetzen. Dadurch können alte Ziele und neue
Hoffnungen realisiert werden.
Gustav Andersdotterson
Anno 1995
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