Zum
1. Dezember 2001 hatte der SPD-Ortsverein Ahrensburg zur Adventfeier
eingeladen. Gleichzeitig wurden langjährige Mitglieder unserer Partei
geehrt.
Bei
Kaffee und Kuchen, begleitet durch vierhändige Klaviermusik - dargeboten
vom Vorstandsmitglied Peter Krup und Hildegard Langecker -
und durch Lesungen von Texten von Rudolf Kinau (Hildegard Langecker) und
Hans Scheibner (Hans Pahl) wurden die Ehrungen durchgeführt.
Der Ortsvereinsvorsitzende Konrad Nabel führte anläßlich der
Ehrungen aus:
Laßt mich aus Anlaß unserer Ehrungen heute die Zeitabschnitte ein
wenig beleuchten, in denen unsere Jubilarinnen und Jubilare zu unserer Partei
kamen. Ich sage vorweg, es gibt bestimmt noch viel mehr aus den Jahren 1926,
1951, 1961 und 1976 zu erzählen. Ich beschränke mich auf einen kleinen
Einblick in die jeweilige Zeit
1926 - vor 75 Jahren -

während
einer Zeit, die heute als die Zeit der Weimarer Republik bezeichnet wird,
trat Wilhelm Kirschner in die SPD ein.
Es war die Zeit des Wiederaufbaus nach dem ersten Weltkriegs und des
Versuchs, in Deutschland eine parlamentarische Demokratie zu etablieren.
Die Parteien der Weimarer Republik zerfielen von Anfang an in zwei
extrem unterschiedliche Gruppen:
Die eine bejahten und trugen den neuen Staat, die anderen lehnten
die Republik und das parlamentarische System ab und bekämpften sie bis
zur Zerstörung. Zwischen ihnen gab es so gut wie keine
Kompromissbereitschaft. Das hat die parlamentarische Arbeit der Weimarer
Republik von Anbeginn an belastet und infrage gestellt.
Die in der Weimarer Koalition zusammengeschlossenen Parteien SPD,
Zentrum und DDP waren in der Nationalversammlung die drei großen, die junge
Republik tragenden Parteien. Die USPD auf dem linken Flügel und die DVP
und die DNVP auf dem rechten waren Gegner der parlamentarisch-demokratischen
Republik.
Erster Reichspräsident war der Sozialdemokrat Friedrich Ebert,
in dessen Zeit der Friedensvertrag mit den USA und der Vertrag von Rapallo fiel.
Nach Eberts Tod im Jahre 1925 war der frühere Generalfeldmarschall Paul v.
Hindenburg im April 1925 im zweiten Wahlgang zum Reichspräsidenten gewählt
worden, unterlegener sozialdemokratischer Kandidat war der langjährige
preußischer Ministerpräsident Otto Braun.
Im Reichstag war die SPD zwar die größte Fraktion, war aber
seit dem Bruch der großen Koalition unter Stresemann 1923 (Mißtrauensvotum
der SPD wegen der Ungleichbehandlung der Linksextremisten in Sachsen und der
Rechtsextremisten in Bayern) nicht mehr an der Regierung beteiligt.
Außenminister Gustav Stresemann hatte nach langen Verhandlungen den Vertrag
von Locarno ausgehandelt, der die Grundlagen für die von ihm und dem
französischen Außenminister Aristide Briand in enger Übereinstimmung
betriebene Aussöhnung der beiden ehemaligen Kriegsgegner schuf. In dem
Ende 1925 in London unterzeichneten Hauptvertrag verpflichteten sich das
Deutsche Reich, Frankreich und Belgien unter Garantie Großbritanniens und
Italiens, die im Vertrag von Versailles festgelegten deutschen Westgrenzen und
die entmilitarisierte Rheinlandzone zu achten.
Die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund am 8.September 1926 war
die Folge.
Reichsregierungen hielten nicht lange in diesen Jahren:
Reichskanzler Luther stürzte über die Flaggenverordnung, unter
Reichskanzler Marx fand der Volksentscheid über die entschädigungslose
Enteignung der Fürsten keine Mehrheit, und die deutsch-russische
Annäherung mit dem deutsch-russischen Freundschaftspakt von 1926 führte
zu einem erfolgreichen Mißtrauensvotum des SPD-Abgeordneten Scheidemann und
ebenfalls zum Sturz der Regierung.
Auch die folgenden Reichsregierungen überdauerten nur jeweils kurze Zeit,
bis mit dem Sturz der Regierung Müller im März 1930 das Ende der
parlamentarischen Republik kam und nach mehreren weiteren Wahlen im
Januar 1933 die Zeit des Nationalsozialismus begann.
Wissenschaft und Forschung hatten in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg
große Erfolge vorzuweisen:
Insulin und Penicillin wurden entwickelt, Heisenberg erdachte die
Theorie der Quantenmechanik, Morgan hatte die erste Chromosomenkarte
vorgestellt. In Amerika wurde der Tonfilm vorbereitet - 1927 gab es dann
die ersten Vorführungen auch in Deutschland - es wurde an der Entwicklung
des Fernsehens gearbeitet, und die drahtlose überseeische Telefonverbindung
stand kurz vor der praktischen Umsetzung.
Diese Zeit war auch die Zeit der goldenen Zwanziger, für die neben
wirtschaftlichen Aufschwung besonders die Ausbreitung neuer Kunst- und
Kommunikationsformen (z.B. Jazz, Film, Schallplatte, Rundfunk) standen. Jazz,
Blues und Charleston waren auch in deutschen Bars zu hören.
Bert Brecht arbeitete am Deutschen Theater in Berlin unter Max Reinhardt
und veröffentlichte 1926 das Drama AMann ist Mann@. Er schrieb seit einiger
Zeit bereits an der ADreigroschenoper@, die 1928 uraufgeführt wurde.
Im Deutschen Theater arbeitete auch die Schauspielerin Marie Dietrich.
Sie setzte ihre Karriere mit Stummfilmen fort und wurde unter dem Namen Marlene
Dietrich ein Weltstar , als sie 1930 die Lola im Film ADer blauen Engel@
spielte.
1951 - vor 50 Jahren -
trat
Horst Egbert Selchow der SPD bei.
Nach den ersten Jahren des Wiederaufbaus, nach der Verkündung des Grundgesetzes
im Mai 1949 und der ersten Wahl zum Bundestag im August 1949 hatte die CDU unter
Kanzler Konrad Adenauer im Bundestag eine Mehrheit von 139 Stimmen
gegenüber 131 der SPD.

Kurt Schumacher, der nach langen Jahren im KZ nach dem Krieg maßgeblich
an der Wiederbegründung der SPD beteiligt war, hatte sich in den
westlichen Besatzungszonen und den Westsektoren Berlins erfolgreich gegen die
Vereinigung von SPD und KPD gewandt. Er war seit 1946 Vorsitzender der SPD,
1948/49 Mitglied des Parlamentarischen Rates und seit 1949 MdB und SPD-Fraktionsvorsitzender.
Er übte als Oppositionsführer - gemeinsam mit Erich Ollenhauer
- häufig und heftig Kritik an Adenauers Politik. So befürchtete er nach der
Integration in die westlichen Bündnissysteme die Verzögerung der
Wiedervereinigung.
Trotz des Gesetzes gegen die Wiederbewaffnung aus dem Jahr 1950 wurde
wegen der Koreakrise ein Verteidigungsbeitrag der Bundesrepublik Deutschland im
Rahmen einer europäischen Armee erwogen, was unter anderem zum Rücktritt des
Innenministers Gustav Heinemann führte. Darüber hinaus setzte in der
Bundesrepublik Deutschland eine leidenschaftliche Diskussion über die deutsche Wiederbewaffnung ein: Es entstand eine breite, politisch nicht
einheitliche Bewegung gegen die Aufstellung deutscher Streitkräfte unter der
Devise: "Ohne mich", die 1955 in der Paulskirchenbewegung
gipfelte. Nach kontroversen Debatten im Bundestag verpflichtete sich die
Bundesrepublik Deutschland 1952, im Rahmen einer Europäischen
Verteidigungsgemeinschaft (EVG) eigene Streitkräfte aufzustellen.
Während die SPD planwirtschaftliche Vorgaben und die Verstaatlichung der
Schlüsselindustrien forderte, leitete die Regierung Adenauer unter
Wirtschaftsminister Ludwig Erhard die Politik der sozialen Marktwirtschaft
ein. Über 10 Millionen Vertriebenen und Flüchtlinge wurden
wirtschaftlich eingegliedert.
Adenauer setzte sich für die deutsch-französische Verständigung als
Kern einer politischen Einigung Europas ein. Darüber hinaus strebte er eine
enge Zusammenarbeit mit den USA und eine Eingliederung der Bundesrepublik
Deutschland in das westliche Bündnissystem an (erreicht mit dem Abschluss der
Pariser Verträge). Er bemühte sich erfolgreich um die Verständigung mit
Israel und förderte mit anderen europäischen Politikern die Schaffung
übernationaler Gemeinschaften (1951: Montanunion, 1952: EVG, 1957: EWG,
Euratom).
In der UdSSR wurde der Übergang zum Kommunismus proklamiert
und der 5. Fünf-Jahres-Plan aufgestellt, Stalin war unumstrittener
Machthaber. Er verurteilte den jugoslawischen "eigenen Weg zum Sozialismus" als Titoismus.
Die USA (und 48 weiter Staaten) schlossen mit Japan den Frieden von
San Francisco. Japan wird Souveränität zugebilligt. In den USA begann Senator
McCarthy seinen Kampf gegen die antiamerikanischen Umtriebe, der
viele deutsche Emigranten entwürdigenden Verhören unterzog.
Der seit einem Jahr tobende Koreakrieg entzweite die Weltgemeinschaft,
nachdem die UNO gegen das Veto der UdSSR Nord-Korea zum Angreifer erklärt und
die USA in Südkorea einmarschierten.

Nahost-Konflikt
Mit der 1947 durch die UN beschlossenen Teilung des Mandatsgebietes Palästina
in einen jüdischen und einen palästinensisch-arabischen Staat begann der
bis heute andauernde Nahost-Konflikt.
Wegen ihrer Ablehnung dieses Teilungsplanes wollten die Palästinenser die
1948 erfolgte Gründung des Staates Israel nicht hinnehmen, und es kam zum Palästinakrieg
(1.Israelisch-Arabischer Krieg, 15.5. 1948 -15.1. 1949; aus israelischer
Sicht Unabhängigkeitskrieg), dabei setzten sich die israelischen Streitkräfte
gegen die arabischen Armeen aus Ägypten, Transjordanien, Irak, Syrien und
Libanon durch und behaupteten etwa 77 % des früheren Mandatsgebietes als ihr
Staatsgebiet, das damit über das im Teilungsplan von 1947 den Juden zugedachte
Gebiet hinausging. Ostpalästina (einschließlich Ostjerusalem) wurde von
Transjordanien annektiert, der Gazastreifen kam unter ägyptische Verwaltung.
Die palästinensischen Araber wurden aus dem israelischen Staatsgebiet vertrieben
oder flohen. Ihre Situation in den Palästinenserlagern in den
arabischen Aufnahmeländern in Ägypten, Jordanien, Libanon und Syrien wurde
dort zunehmend zu einem politischen und sozialen Problem. Der israelisch-arabische
Konflikt verschärfte sich in den 50er-Jahren ständig und ist bis heute
aktuell.
Vietnam-Krieg
In der 1. ("französischen") Phase (1946-54) des Vietnam-Kriegs
kämpfte die vietnamesische Partisanenarmee der Vietminh gegen ein
französisches Expeditionsheer mit rund 160.000 Mann, das sich jedoch bald als
unterlegen erwies. Seit dem Sieg der Kommunisten im angrenzenden China
(1949) erhielt die Vietminh von dort militärische Ausrüstungshilfe und
politische Unterstützung; die seitdem gehegte Befürchtung, ein Erfolg im
Vietnamkrieg würde auch in den benachbarten Staaten zum kommunistischen Umsturz
führen (Dominotheorie), veranlasste die amerikanische Regierung ab 1950
nach einem französischen Hilfeersuchen zu Finanzhilfe und zur Entsendung
amerikanischer Militärberater nach Saigon. Nach der endgültigen französischen
Niederlage 1954 wurden auf der Genfer Indochinakonferenz am 1954
Waffenstillstandsabkommen abgeschlossen.
Der erste Exportschlager der jungen BRD war der VW-Käfer, der
über den Hamburger Hafen in die USA verschifft wurde.
Das eigentliche Wirtschaftswunder begann aber erst und hatte seinen
Höhepunkt in der Mitte der 50er Jahre.
Der Komponist Arnold Schönberg starb 1951.
In den 50er-Jahren begann die Zeit der Rockmusik mit der Ausbildung
des Rock 'n' Roll, der sich in den USA als protesthafte Äußerungsform der
Nachkriegsjugend aus dem als schwarze +race music* diffamierten Rhythm and
Blues und dem Country and Western der Weißen gebildet hatte.
1961 - vor 40 Jahren -

wurden
Antje Schröder, Hans-Peter Knospe und Ilse Sparr Mitglieder der
SPD.
Konrad Adenauer war noch immer Bundeskanzler, bei den Bundestagswahlen
1961 gewann die SPD zwar 5% hinzu und brachte es auf 36,2%, aber die CDU
erreichte 45,3% und die FDP 12,8%. Es blieb alles beim Alten. Heinrich Lübke
war Bundespräsident und nicht immer der beste Vertreter Deutschlands
nach außen.
Das bedeutendste politische Ereignis war der Bau der Berliner Mauer am
13.. August 1961, der als +Antifaschistischer Schutzwall* die
Sektorengrenze zwischen Ost- und West-Berlin bis auf sieben Übergänge (am
bekanntesten: der Checkpoint Charlie) hermetisch abriegelte. Sie sollte
den steigenden Flüchtlingsstrom aus Ost-Berlin stoppen. Die Berliner Mauer
hatte eine Länge von 43,1 km durch Berlin, verlief direkt am Brandenburger Tor
vorbei und erstreckte sich über 111,9 km im städtischen Umland. Die
Grenzanlagen wurden ständig ausgebaut. Beim Versuch, die Berliner Mauer von
Osten nach Westen zu überwinden, wurden aufgrund des Schießbefehls
über 80 Menschen getötet. Im Zusammenhang mit den politischen
Umwälzungen in der DDR öffnete deren Regierung am 9.11.1989 die Berliner
Mauer.

Der
Vietnam-Krieg flammte wieder auf. Der von den USA unterstütze
südvietnamesische Regierungschef Ngo Dinh drängte die Franzosen aus dem Land,
baute es zu einem antikommunistischen Vorposten aus und schaltete alle
oppositionellen Kräfte aus. Dagegen hatten sich 1960 die Guerillaaktionen des Vietcong
in der von Nord-Vietnam gelenkten +Nationalen Befreiungsfront von Süd-Vietnam*
(FNL) organisiert und immer größere ländliche Gebiete unter seine
Kontrolle gebracht.
Das 1954 beschlossene Waffenstillstandsabkommen hielt nicht. Mit dem Tongking-Zwischenfall
(angeblich Beschießung von zwei amerikanischen Zerstörern durch
nordvietnamesische Kriegsschiffe im Golf von Tongking) begann dann 1963 die 2.(+amerikanische*)
Phase des Vietnamkriegs.
Wettrennen um das Weltall
Nachdem die Sowjetunion bereits 1957 mit dem Sputnik einen ersten
Satteliten ins Weltall geschossen hatte und die Amerikaner 1958 mit der Pioneersonde
reagierten, brachte am 12.4.1961 die Wostok 1 den ersten Menschen in das
Weltall: Juri Gagarin.

Antibabypille
Nachdem bereits 1960 in den USA die erste Antibabypille zugelassen
wurde, folgte am 1. Juni 1961 die Zulassung der ersten deutschen Pille +Anovlar*
von der Firma Schering. In den folgenden Jahren trat die Antibabypille ihren
Siegeszug um die Welt an.
Im April 1961 trat die englische Pop-Gruppe The Beatles im TopTen in
Hamburg auf, am 22.Juni wurden die ersten Plattenaufnahmen der Beatles
gemeinsam mit Tony Sheridan und mit Bert Kaempfert in der Friedrich-Ebert-Halle
in Hamburg aufgenommen. Die erste Single der Beatles "My bonnie"
erschien dann Anfang 1962.
Ernest Hemingway starb am 2.7.1961
1976 - vor 25 Jahren -

kam
Nikolai Spittkowsky zur SPD
(die GenossInnen Rudolf Richardsen, Heinrich Breckling, Klaus Howe, Renate
Lubke, Walter Droop, Uwe Itner, Barbara Klüber, Christine Ramp-Wolf, Josef
Stieger und Joachim Rath sind ebenfalls 25 Jahre Mitglied der SPD,
konnten aber heute leider nicht dabei sein.)
In 7. Jahr der sozial-liberalen Koalition war Helmut Schmidt
seit 2 Jahren Bundeskanzler.
Er hatte nach dem Rücktritt Willy Brandts am 16.5.1974 dessen Amt an der
Spitze einer SPD/FDP-Regierung übernommen.
Bei der Bundestagswahl am 3.10.1976 verlor die SPD fast 4%, blieb aber
gemeinsam mit der FDP an der Regierung. Nachdem die CSU zunächst die Fraktionsgemeinschaft
mit der CDU aufgekündigt hatte, bildeten beide Parteien nach langen
Verhandlungen erneut eine gemeinsame Fraktion im Deutschen Bundestag.
Innenpolitisch sah sich die Regierung Schmidt besonders mit wirtschafts- und
sozialpolitischen Fragen sowie mit energie- und rechtspolitischen Problemen
konfrontiert (u.a. bei der Bekämpfung des Terrorismus - 1977 wurde
Bundesanwalt Buback ermordet und die entführte Lufthansa-Maschine in Mogadischu
befreit.).
Außenpolitisch setzte Schmidt die Politik Willy Brandts fort, besonders bei
den Bemühungen um Entspannung im Ost-West-Konflikt. Im Frühjahr 1976
traten die neuen Verträge mit Polen in Kraft, nachdem Ende 1975 die Verkehrsverhandlungen
mit der DDR unter anderem zum Bau der A24 zwischen Hamburg und Berlin
erfolgreich abgeschlossen worden waren.
Die SED der DDR veranstaltete ihren IX. Parteitag und verstand
die veränderten Beziehungen zur BRD als Prozeß der völkerrechtlichen
Abgrenzung. Erich Honecker wurde 1976 Vorsitzender des Staatsrats.
Angesichts der von den USA und der Sowjetunion betriebenen Politik der
Hochrüstung trat Schmidt später für den NATO-Doppelbeschluss ein; gemeinsam
mit Valerie Giscard d'Estaing initiierte er das Europäische
Währungssystem, dessen Fortsetzung - die europäische Währungsunion
- in diesen Tagen mit der Einführung des EURO hochaktuell ist.
Die letzte Phase des Vietnamkriegs
Nach Einstellung der finanziellen Hilfe durch die USA und dem Fall der
Stützpunkte im Hochland von Annam 1975 zogen sich die südvietnamesischen
Truppen zurück und lösten sich unter dem Druck der nachrückenden
kommunistischen Truppen auf. Der südvietnamesische Präsident trat zurück, und
am 30.4.1975 wurde Saigon von Einheiten der "Provisorischen
Revolutionsregierung" der FNL mit nordvietnamesischer Unterstützung
besetzt; ein großer Flüchtlingsstrom setzte ein. Im Gefolge dieser letzten
Phase des Vietnamkriegs kam es am 2.7.1976 zur Wiederherstellung eines
gesamtvietnamesischen Staates unter kommunistischer Führung (Sozialistische
Republik Vietnam).
Erste Wurzeln der Grünen
Mitte der 70er Jahre formierten sich in der Bundesrepublik ökologisch-soziale
Bewegungen, die sich gegen Auswirkungen und Ursachen von Umweltzerstörung
wandten. Sie setzten sich u.a. aus Bürgerinitiativen, Umweltschutzverbänden,
Einzelpersonen, Wissenschaftlern und unabhängigen ökologischen
Forschungsinstituten zusammen. Ihr Erscheinungsbild wurde in besonderem Maße
durch die Antikernkraftbewegung geprägt. Vor allem aus diesen
Bürgerinitiativen der Umweltschutzbewegung entstanden bereits gegen Ende der
70er-Jahre in verschiedenen Teilen der Bundesrepublik "grüne Listen",
die sich an Kommunal- und Landtagswahlen beteiligten. Durch Zusammenschluss mit
der +Grünen Aktion Zukunft* sowie unter Beteiligung von Gruppen der Frauen- und
der alternativen Bewegung entstand dann Anfang 1980 auf Bundesebene die Partei
"Die Grünen", die sich zu den Grundwerten "ökologisch, sozial,
basisdemokratisch, gewaltfrei" bekannte.

Am 7. Juli 1976 starb Gustav Heinemann in Essen. Unser Bürgerpräsident,
der erste sozialdemokratische Bundespräsident von 1969-1974 war schon
seit Anfang der 50er Jahre politisch aktiv - zunächst in der CDU, später in
der GVP (Gesamtdeutsche Volkspartei). Er trat aus Protest gegen die
Wiederbewaffnung 1950 als Bundesinnenminister zurück. Gustav Heinemann
hatte sich 1957 der SPD angeschlossen, war 1957-69 MdB; 1966-69
Bundesjustizminister (betrieb die Große Strafrechtsreform, die Reform des
Unehelichenrechts und die Reform des politischen Strafrechts - das heute
demontiert wird!). Als Bundespräsident (1969-74) bemühte sich Heinemann vor
allem um eine Aussöhnung der Deutschen mit ihren Nachbarn.
Auch der chinesische Politiker Mao Tse-Tung starb in diesem Jahr. Die
neue Machthaber in China versuchten, seine Ideen und die Ergebnisse der großen
Kulturrevolution aus den späten 60er Jahren zu verdrängen. Erst nach 1980
wurden seine Ideen wieder Bestandteil der offiziellen chinesischen Ideologie.
Der
Philosoph Martin Heidegger starb in Freiburg.
Der ursprünglich prägende Protesthabitus der Rockmusik wurde in den
70er Jahren kommerzialisiert und entschärft, führte zur Abkehr vom
ursprünglichen Stil der Rockmusik und vielfach zu schablonenhafter Massenware.
In der 1. Hälfte der 70er-Jahre erreichte der Jazzrock einen Höhepunkt, in der
2. Hälfte der 70er-Jahre erhielt die Rockszene mit dem Discosound und
dem an die Ursprünge der Rockmusik anknüpfenden Punkrock wieder eine
zunehmend internationale gleichartige Prägung.
Die im Jahr 1975 von William Henry Gates gegründete Firma Microsoft
arbeitete 1976 an ersten Vorversionen eines Diskettenorientierten
Computersystem. Das dem heutigen Windows zugrunde liegende MS-DOS
allerdings hat er nicht selbst entwickelt, sondern 1981 von der Firma Seattle
Computer Products erworben. Dadurch wurde Gates bis heute zu einem der
reichsten Männer der Welt.
Andere reichste Männer wie George Bush und Osama Bin Laden
halten heute die Welt in Atem und beeinflussen unsere Innen- und Außenpolitik,
zu der es auch sehr viel zu sagen gibt - aber ich habe schon zuviel geredet.
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