Sommerfest 2005 der SPD Ahrensburg 

Rede des Ortsvereinsvorsitzenden Konrad Nabel, MdL

  

In diesem Jahr haben wir viele Genossinnen und Genossen für langjährige Mitgliedschaft zu ehren. Leider konnten nicht alle kommen. Wir werden aber allen nicht anwesenden JubilarInnen die Urkunde und die Nadel persönlich überbringen.

Ihr wisst ja, wir haben auch in den vergangenen Jahren nicht jedes Mitgliedsjubiläum zum Anlass genommen, sondern uns darauf beschränkt, die Genossinnen und Genossen zu ehren, wenn sie 25 Jahre lang dabei sind, dann bei 40, 50 und 60-jähriger Mitgliedschaft.

In den vergangenen Jahren konnten wir auch Genossinnen und Genossen ehren, die 70 oder sogar 75 Jahre der Partei die Treue gehalten haben.

Im Jahr 2002 konnte leider keine Mitgliederehrung durchgeführt werden, und ausgerechnet in diesem Jahr hätte unser Genosse Curd Denker für die 70-jährige Mitgliedschaft geehrt werden sollen.

Aus welchem Grund auch immer - und wir wollen ja auch nicht nachtragend sein - ist in den letzten beiden Jahren versäumt worden, diese Ehrung nachzuholen.

Deshalb - lieber Curd - ist die erste Ehrung heute eine ungewöhnlich und deshalb besondere:

Wir ehren Dich für Deine Ausdauer in der SPD über 73 Jahre

Ehrung für 73 Jahre Parteizugehörigkeit: Curd Denker

1932 stand Deutschland um diese Jahreszeit zwischen zwei Reichstagswahlen.

Bei der vorgezogenen Neuwahl des Reichstags am 31.07. wurde die NSDAP mit 37,8% der Stimmen zur stärksten Partei Deutschlands, und Hermann Göring wurde zum Präsidenten des Reichstags gewählt. Im September kam es dort zum Eklat mit Kanzler von Papen und zur erneuten Auflösung des Reichstages.

Am 06.11. wurde erneut gewählt, wieder wurde die NSDAP stärkste Partei.

Dem voraus gegangen waren dramatische Ereignisse:

  • Im Januar hatte Adolf Hitler (NSDAP) vor dem Düsseldorfer Industrieclub unter dem Beifall der Mehrheit der anwesenden Wirtschaftsführer erklärt, die Überwindung des parlamentarischen Systems sei die wichtigste Voraussetzung zur Beseitigung der wirtschaftlichen Krise.

  • Die Arbeitslosenzahl stieg im Februar auf über 6 Millionen.

  • In zahlreichen Landtagswahlen in ganz Deutschland wurde die NSDAP stärkste Partei.

  • Im April wurde Paul von Hindenburg im zweiten Wahlgang als Reichspräsident wiedergewählt. Adolf Hitler hatte als Gegenkandidat im ersten Wahlgang 37% der Stimmen erreicht .

  • Nach dem Rücktritt des Kabinetts Brüning ernennt Hindenburg Franz von Papen zum Reichskanzler.

  • Beim Altonaer Blutsonntag am 17. Juli 1932 kam es bei einem Werbemarsch der SA durch die damals zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein gehörende Großstadt Altona zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Nazis und Kommunisten, bei denen 18 Personen erschossen wurden. Dieser Vorfall wurde von Franz von Papen zum Anlass genommen, die noch amtierende preußische Regierung in einem Staatsstreich per Notverordnung im "Preußenschlag" am 20. Juli 1932 abzusetzen.

  • Schon 1932 war nicht mehr von einer parlamentarischen Demokratie zu sprechen: Es wurden 66 Notverordnungen erlassen, denen nur fünf vom Reichstag beschlossene Gesetze gegenüber standen.

Auch die im November folgende Regierung von Schleicher war nur von kurzer Dauer, wir alle wissen, dass Hitler am 30.01.33 Reichskanzler wurde und damit das Schreckensregime der Nazis seinen 12-jährigen Lauf nahm.

Was war noch 1932?

  • Die erste Autobahn wurde zwischen Köln und Bonn für den Verkehr freigegeben.

  • In Portugal kam der Faschist Antonio de Oliveira Salazar an die Macht. Bis zur Nelkenrevolution am 25. April 1974 dauerte die von ihm eingeleitete Diktatur.

  • Im weiter schwelenden Konflikt zwischen Japan und China besetzten die Japaner das Chinesenviertel der zollfreien Stadt Shanghai.

  • In den USA wurde im Dezember der Demokrat Franklin Delano Roosevelt neuer Präsident der USA.

  • Bei den III. Olympischen Winterspielen In Lake Placid (USA) nahmen nur sieben Nationen teil.

  • Der erste Farbdiapositivfilm für Kleinbildkameras wurde von AGFA vorgestellt.

  • Am 20. Juli wurde übrigens Otto Schily geboren und am 3. Oktober wurde der Irak unabhängig von Großbritannien

  • Das erste Sulfonamid wurde entdeckt.

  • Auguste Piccard stieg mit einem Ballon 16.201 m hoch und war damit der erste Mensch in der Stratosphäre.

  • In Ahrensburg musste 1932 die Familie Schimmelmann ihr Schloß verkaufen, und das Inventar wurde versteigert.

  • Werner Heisenberg erhielt den Nobelpreis für Physik (für seine Arbeiten zur Quantenmechanik).

Der Friedensnobelpreis wurde übrigens nicht verliehen in diesem unfriedlichen Jahr 1932.

Ehrung für 60 Jahre Parteizugehörigkeit: Ottilie Schumann, Ernst Wolter

Als am 01.07.1945 Ernst Wolter in die gerade wieder gegründete SPD eintrat, hatte seit ca. einem Monat der Alliierte Kontrollrat die Regierungsgewalt übernommen. Die Deutschen wurden entnazifiziert, die verbliebenen Soldaten interniert.

Am gleichen Tag wurden die drei Berliner Westsektoren gebildet und in der sowjetischen Besatzungszone die Volkspolizeit gegründet.

Es waren 400 mio Kubikmeter Trümmer aufzuräumen (was einem Güterzug von 160.000 km Länge - viermal um die Erde - entsprochen hätte). Die Arbeit wurde von vor allem von den "Trümmer"-Frauen besorgt, weil Männer ja fehlten. Jeder wiederverwertbare Ziegel wurde dabei handverlesen. Über 16 mio Heimatvertriebene aus dem Osten des ehemaligen Großdeutschen Reich drängten auf das Gebiet des verbliebenen Deutschland und vergrößerten die Wohnungsnot.

Im Frühjahr 1945 hatten die Aussichtslosigkeit des weiteren Kriegs, das von den Alliierten fortgesetzte Bombardement auf die deutschen Städte und schließlich der Einmarsch der Alliierten am 8. Mai endlich zur bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches geführt und damit den Zweiten Weltkriegs in Europa beendet.

Das Grauen war damit nicht vorbei. Bei der Befreiung der Konzentrationslager durch die Eroberer bieten sich diesen grauenhafte Bilder und Szenen, deren Ausmaß bis heute nicht endgültig "verarbeitet" ist.

Der Abwurf US-amerikanischer Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki in Japan am 6. bzw. 9.8. beendete den Krieg auch dort.

Aber trotz aller Probleme:

Das Leben musste weitergehen, oder besser: wieder aufgenommen werden.

Schon am 6. Mai war von Kurt Schumacher und weiteren GenossInnen der Ortsverein Hannover der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ins Leben gerufen und damit die erste Keimzelle für den Wiederaufbau der SPD geschaffen worden. Am 15. Juni folgte die Neugründung der SPD in Berlin.

Im Oktober 1945 wurde der Kreisverband Stormarn der SPD von der britischen Militärverwaltung genehmigt.

Bereits am 16.5. hatten 30 Berliner Kinos wieder geöffnet, und am 26.5. gab es das erste Konzert der Berliner Philharmoniker der Nachkriegszeit.

Seit Anfang Juni konnten in einigen teilen Deutschlands wieder Gewerkschaften gebildet werden.

Am 26. Juni erfolgte die Gründung der Vereinten Nationen in San Francisco als Nachfolgeorganisation des Völkerbundes.

  • Aber die neuen Krisenherde sind bereits entstanden: In Palästina protestieren die Araberstaaten gegen jede weitere Einwanderung von Juden; jüdische Terroristen starteten Aktionen gegen die britische Mandatsmacht.

  • Die Amerikaner besetzten Süd- und die Russen Nordkorea.

  • In Vietnam putschte die Liga zur Befreiung Vietnams unter Ho Chi Minh und rief in Hanoi am 2.9. die Demokratische Republik aus, die Franzosen entsandten Militär dorthin und besetzten den Süden mit Saigon.

  • In China brach der offene Bürgerkrieg zwischen der Kuomintang unter Tschiang Kai-schek und den Kommunisten unter Mao Tse-tung aus. Die Amerikaner unterstützten die Kuomintang mit etwa 15,000 Marines unter General Marshall.

Die Potsdamer Konferenz vom 17.7. schrieb die bereits in Jalta prinzipiell vereinbarten Absprachen fest, insbesondere die Teilung Deutschlands.

Als Ottilie Schumann Anfang Oktober 1945 zur SPD kam, hatte die Demontage von Industriebetrieben in den westlichen Besatzungszonen begonnen, waren die ersten Länder durch Proklamation der Militärregierung gegründet, und seit kurzem hatte der Rundfunksender NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) den Sendebetrieb aufgenommen. Schon am 1.8. hatte die neugegründete"Frankfurter Rundschau" eine Lizenz erhalten, und weitere Zeitungen folgten.

Der Schulunterricht wurde wieder aufgenommen - die Banken hatten noch im Mai wieder geöffnet.

Noch im Oktober erfolgte die Veröffentlichung des Schuldbekenntnisses der Evangelischen Kirche in Deutschland, und das Deutsche Rote Kreuz richtete einen Suchdienst zur Auffindung vermißter Personen ein.

Am 14.11. wurde das Internationale Militärtribunal gegen 24 Kriegsverbrecher aufgenommen, das ab dem 20.11. in Nürnberg verhandelte.

Ehrung für 50 Jahre Parteizugehörigkeit: Horst Strufe, Henry Bieber

Herausragendes innen- und außenpolitisches Ereignis des Jahres 1955 war die Moskaureise des Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Die Sowjetunion zeigt Bereitschaft, mit der BRD diplomatische Beziehungen aufzunehmen, und er erreicht die Rückführung der letzte ca. 10.000 Kriegsgefangenen nach Deutschland.

Die alliierten Dienststellen in der Bundesrepublik Deutschland wurden aufgelöst. Es ist das Ende der Besatzungszeit.

Während Österreich zu dieser Zeit die volle Unabhängigkeit und Souveränität erhielt, wurden BRD und DDR nur halbwegs souveräne Staaten, wobei die BRD am Alleinvertretungsanspruch für ganz Deutschland festhielt.

Im März 1955 gaben Bundeskanzler Konrad Adenauer und der dänische Ministerpräsident Hans Christian Hansen die Bonn-Kopenhagener Erklärungen über die Rechte der jeweiligen Minderheiten ab, die bis in unsere politische Gegenwart eine wichtige Rolle spielen.

Am 9. Mai tritt die Bundesrepublik Deutschland der NATO bei.

Der Warschauer Pakt wurde als Militärbündnis des Ostblocks unter einem gemeinsamen Oberkommando gegründet. Unterzeichnerstaaten waren neben der UdSSR: Albanien, Bulgarien, Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei und Ungarn. Die DDR trat dem Vertrag später bei.

Mit der vom Generalsekretär der KPdSU, Nikita S. Chruschtschow im Julia auf einer Kundgebung in Ost-Berlin verkündeten Zweistaatentheorie war die Teilung Deutschlands bis 1989 besiegelt.

Im September verkündete Bundeskanzler Adenauer vor dem Bundestag die sogenannte Hallstein-Doktrin, nach der die Bundesregierung keine diplomatischen Beziehungen mit Staaten unterhalten könne, die die DDR anerkennen (mit Ausnahme der Sowjetunion).

Die Bevölkerung des Saarlandes lehnte im Oktober in einer Volksabstimmung mit 67,71% der Stimmen das Saarstatut ab, das die politische Autonomie und die wirtschaftliche Angliederung des Saarlandes an Frankreich vorsah.

Mit der Ernennungsurkunde der ersten 101 Offiziere und Soldaten wurde im November 1955 die Bundeswehr neu geschaffen, obwohl seit Jahren eine starke Volksbewegung gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands aktiv war. Auch die SPD hatte sich gegen die Wiederbewaffnung gewandt.

Was war noch 1955?

  • Die Kultusminister der Länder - außer Bayern - einigten sich zu Beginn des Jahres auf ein Abkommen zur Vereinheitlichung des Schulwesens in der Bundesrepublik. Das Schuljahr sollte einheitlich zu Ostern beginnen, und die verschiedenen Bundesländer erkannten die Abschlüsse gegenseitig an.

  • Seit 1955 dient das Schloss Ahrensburg als Museum der schleswig-holsteinischen Adelskultur.

  • Das Goggomobil wurde als neuester Kleinstwagentyp vorgestellt. Deutschland (West) stieg um vom Motorrad auf das Auto.

  • Die Gefriertruhe hielt Einzug in amerikanische Haushalte.

  • Der in der Schweiz erfundene Klettverschluß wurde patentiert.

  • In Los Angeles an der amerikanischen Westküste wird das erste "Disneyland" eröffnet.

  • Bei Überschwemmungen in Indien wurden etwa 45 Millionen Menschen obdachlos.

  • Caterina Valente mit "Ganz Paris träumt von der Liebe" hielt wochenlang den 1. Platz der Hitliste.

  • Hermann Hesse erhielt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

  • Und im bundesdeutschen Wohnstil setzte die Kultur der Nierentische, Schalensessel und Tulpenlampen ein

Gestorben 1955:

  • 8.4.: Der deutsch-amerikanische Physiker Albert Einstein (*1879);

  • 12.8.: der Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann (*1875);

  • der Schauspieler James Dean (Verkehrsunfall, *1931).

Ehrung für 40 Jahre Parteizugehörigkeit: Wilma Lau, Kaethe Kienel, Hermann Faak, Hanspeter Pepper, Eva-Maria Rafailowitch

Im Jahr 1965 war die bundesdeutsche Welt noch weitgehend in Ordnung. Die Zeit des Wiederaufbau und des Deutschen Wirtschaftswunders ging zu Ende, die meisten Menschen hatten Arbeit und ein Dach über dem Kopf. Zwar gärte es an schon vielen Stellen, vor allem bei Studenten, in der Gesamtgesellschaft aber blieb es noch ruhig, man wollte zurück in die "Normalität", auch wenn es noch vieles aus dem Krieg und der jüngsten Vergangenheit zu bewältigen gab.

Um die Prozesse gegen Nazi-Verbrechen fortsetzen zu können, wurde die Verjährungsfrist für Mord verlängert. Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme bei Hamburg wurde die Gedenkstätte für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft eingeweiht.

Es gab auch nach vorn weisende Signale:

So forderte die Evangelische Kirche im Rahmen der Diskussion des Vertriebenenproblems eine Aussöhnung mit den östlichen Nachbarn und eine Lösung der Oder-Neiße-Frage, und das 1963 erstmals ausgehandelte Passierscheinabkommen zwischen der DDR und Westberlin wurde verlängert.

Politisch sind aus diesem Jahr sonst wenige Highlights zu vermelden.

Eine der wichtigsten politischen Neuerungen diesen Jahres war dann auch die Einführung der "Aktuellen Stunde" im Bundestag. Sie sollte der größeren parlamentarischen Transparenz dienen und der Opposition bessere Möglichkeiten bieten, aktuelle Themen im Plenum zu erörtern.

Außerdem verabschiedete der Bundestag das "624-DM-Gesetz", mit dem ArbeitnehmerInnen beim Sparen unterstützt werden sollten.

Bei der Bundestagswahl blieb Ludwig Ehrhard Kanzler, auch wenn es zur absoluten Mehrheit nicht mehr reichte. CDU/CSU erhielten 47,6% (245 Mandate), die SPD 39,3% (202), und die FDP 9,5% (49). Es gab eine Koalition mit der FDP.

In der DDR wurde das Familienrecht reformiert mit dem Ziel, die Erziehung des Nachwuchses nach dem Vorbild des "Marxismus-Leninismus" zu organisieren.

1965 war auch das Jahr der Abstürze:

Insgesamt 26 Starfighter der Bundesluftwaffe stürzten bei Trainingsflügen ab.

Die Hallstein-Doktrin, nach der diplomatische Beziehungen dritter Länder zur DDR in der politischen Praxis bisher zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen durch die BRD geführt hatten, brach in sich zusammen, weil immer mehr Länder die DDR anerkannten.

In Algerien wurde der berüchtigte Ahmad Ben Bella vom Militär gestürzt.

Auch sonst war es außenpolitisch unruhig:

Zwischen Indien und Pakistan brachen erneut Feindseligkeiten wegen Grenzstreitigkeiten in Kaschmir aus.

Die USA besetzten zwei Monate lang die Dominikanischen Republik, ohne die bürgerkriegsähnlichen Unruhen wirklich zu beenden.

Südrhodesien erklärte mit (dem weißen) Premier Ian Smith einseitig die Unabhängigkeit von Großbritannien und verfolgte danach eine Politik der Apartheid.

Ferdinand Marcos wurde Präsident der Philippinen.

Bereits Anfang des Jahres hatten sich die Militäraktionen in Vietnam sich ausgeweitet. Die Amerikaner gaben ihre bis dahin allein auf Südvietnam beschränkte sogenannte "Beraterfunktion" auf und flogen schwere Luftangriffe auch mit Napalmbomben auf Nordvietnam. Im Laufe des Jahr wurden über 500.000 US-Soldaten nach Vietnam gebracht und damit der Vietnamkrieg der USA "wirklich" begonnen.

Und was war noch 1965?

  • Es war die Zeit der Italo-Western. Als erster lief "Für eine Hand voll Dollar" mit Clint Eastwood in der Hauptrolle

  • Die Journalistin Ulrike Meinhof wurde zu einer Geldstrafe von 600 DM verurteilt, weil sie den CSU-Vorsitzenden Franz-Josef Strauß in der Hamburger Zeitschrift "Konkret" als "infamsten deutschen Politiker" bezeichnet hatte.

  • Albert Schweitzer, deutscher Arzt, Missionar und Friedensnobelpreisträger, starb in diesem Jahr

  • Die Programmiersprache BASIC (Beginners All-Purpose Symbolic Instruction Code) wurde erfunden.

  • Die Rolling Stones standen im Herbst mit "I Can't Get No Satisfaction" für 6 Wochen an der Spitze der deutschen Hitparade. Abgelöst wurden sie schließlich von Drafi Deutschers "Marmor, Stein und Eisen bricht", das bis Weihnachten aus allen Lautsprechern der Republik dudelte.

  • Der Archäologe Alfred Rust wird zum Ahrensburger Ehrenbürger

  • Friedensnobelpreis - Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF)

Ehrung für 25 Jahre Parteizugehörigkeit: Thomas Hansen-Siedler, Herbert Janssen, Rolf Schulte

Auch 1980 gab es eine Bundestagswahl, bei der die CDU mit dem Kanzlerkandidaten Franz-Josef Strauß gegen die SPD mit Helmut Schmidt verlor (,der ja, wie wir seit kurzem wissen, der beliebteste Nachkriegspolitiker in Deutschland ist).

Die Grünen, die sich Anfang des Jahres auf ihrem Kongreß in Karlsruhe als Bundespartei konstituiert hatten, spielten bei dieser Wahl noch keine Rolle.

Sie hatten im Frühjahr mit den Schlagworten "ökologisch, basisdemokratisch, sozial, gewaltfrei" die Grundzüge ihrer Politik festgelegt. Mitglied des ersten Führungstrios war übrigens Petra Kelly.

Noch hielt die sozial-liberale Koalition. In der SPD rumorte es seit einigen Jahren wegen Schmidts Kernenergiepolitik und spätestens seit 1979 auch wegen des NATO-Doppelbeschlusses und der weiteren Stationierung von Mittelstreckenraketen. Im Ortsverein wurde intensiv und konstruktiv diskutiert. Gemeinsam mit weiteren Stormarner Ortsvereinen bereiteten wir Bundesparteitagsbeschlüsse gegen den NATO-Doppelbeschluss vor.

Einige von Euch erinnern sich bestimmt noch an unsere Info-Stände auf dem Markt, bei denen wir mit vielen Bürgerinnen und Bürger vor selbst hergestellten Plakaten heftig über den NATO-Doppelbeschluss und die Nachrüstung diskutierten. Dirk Burmeister stellte mit seiner Siebdruckmaschine Plakate her, die dann auf Wäscheleinen zum Trocknen aufgehängt waren. Eines dieser Plakate zeigt Franz-Josef Strauß als Schnecke, die eine klebrig-giftige Schleimspur hinter sich ließ.

Verteidigungsminister Hans Apel versetzte Generalmajor Gert Bastian übrigens in die unbedeutende Etappe, weil auch dieser sich gegen den Nato-Doppelbeschluss ausgesprochen und eine aktive Abrüstungspolitik verlangt hatte.

Als im Mai 1980 rund 5.000 Atomkraftgegner das Gelände der Tiefbohrstelle 3 des geplanten atomaren Zwischenlagers bei Gorleben besetzten, waren auch einige Sozialdemokraten dabei.

Ein Runddorf wurde gebaut und die Freie Republik Wendland ausgerufen, die aber durch Räumung des Dorfes schon Anfang Juni von der aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten Polizei und dem Bundesgrenzschutz wieder aufgelöst wurde.

Im August des Jahres machten Unruhen und Streiks auf Polen aufmerksam. Am 14. August begann ein Streik auf der Danziger Lenin-Werft, der sich auf ganz Polen ausweitete. Die Forderungen: Mehr Freiheit und bessere Lebensqualität

Am 17. September wurde dann in Danzig die Gewerkschaft Solidarnosc gegründet, die sicherlich auch ihren Anteil an der weiteren Entwicklung in Osteuropa bis zum Fall der Mauer hat.

In der Sowjetunion wurde gleichzeitig der Druck auf Dissidenten erhöht. Der Regimekritiker Andrej Sacharow wurde in Moskau verhaftet und mit seiner Frau Jelena Bonner in ein Sperrgebiet bei Gorki gebracht.

Wegen der Intervention in Afghanistan hatte Bundeskanzler Helmut Schmidt ein Treffen mit dem Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, abgesagt, im Sommer aber waren Bundeskanzler Helmut Schmidt und Außenminister Hans-Dietrich Genscher zu Gesprächen nach Moskau gereist und konnten dort erreichen, dass die sowjetische Führung sich bereit erklärte, über die vom NATO-Doppelbeschluß betroffenen Mittelstreckenwaffen mit den USA zu verhandeln.

Im Herbst 1980 erhöhte die DDR den sogenannten Zwangsumtausch für Besucher aus dem Westen auf 25 DM pro Tag.

Im Herbst 1980 brach auch der erste Golfkrieg aus. Nachdem der Irak das mit dem Iran geschlossene Abkommen über den Grenzverlauf zwischen beiden Staaten aufgekündigt hatte, erfolgten Fliegerangriffe auf iranische Ölzentren, und schließlich fiel die irakische Armee im Iran ein. Der seit langem schwelende Grenzkonflikt wurde zum offenen Krieg, der bis 1988 andauerte.

Der Rechtsextremismus machte auch 1980 durch Anschläge auf sich aufmerksam:

  • Ein Bombenanschlag eines Rechtsextremisten während des Oktoberfestes in München forderte in dichtgedrängter Menge 11 Tote und über 200 Verletzte.

  • Es wurden verschiedene Anschläge auf bundesdeutsche Wohnheime für Ausländer verübt.

  • Bundesinnenminister Gerhart Baum verbot die rechtsextreme "Wehrsportgruppe Hoffmann".

  • Bei einem Bombenanschlag rechtsradikaler italienischer Extremisten im Wartesaal des Hauptbahnhofs von Bologna starben über 80 Menschen, und mehr als 220 wurden verletzt.

Es gab schwere Rassenunruhen in Miami (Florida, USA), als 4 weiße Polizisten, die einen Farbigen zu Tode geprügelt hatten, freigesprochen wurden.

Auch in Südafrika eskalierte die Lage bei schweren Auseinandersetzungen.

Was war noch 1980?

  • Auf der Homepage des Amtsgericht Ahrensburg ist für den 01.03.1980 folgendes verzeichnet:

    • In den frühen Morgenstunden dringen mehrere Täter, darunter zwei durch das Amtsgericht Ahrensburg Verurteilte, in das Gerichtsgebäude ein. Auf der erfolglosen Suche nach einer einen der Täter betreffenden Strafakte verwüsten sie zunächst dass Direktorenzimmer und verschütten dann flüssigen Bohnerwachs in der Wachtmeisterei und im rechten Gebäudeflügel und setzen es in Brand. Anwohner alarmieren die Feuerwehr, die nach einer Viertelstunde eintrifft und mit den Löscharbeiten beginnt. Nach etwa anderthalb Stunden ist das Feuer gelöscht. Ein Sitzungssaal sowie das Archiv für die Grundbuchakten sind dem Feuer zum Opfer gefallen. Einige wichtige Grundbücher sind noch während der Löscharbeiten durch die Feuerwehr gerettet worden.

  • In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Mitteleuropäische Sommerzeit eingeführt.

  • Ernö Rubiks "Zauberwürfel" begann seinen Siegeszug in deutschen Spielzeugläden.

  • Die US Firma General Electric gewann einen Prozeß um die Patentierbarkeit einer gentechnisch für die Ölreinigung geklonten Mikrobe.

  • Am 08. Dezember wurde John Lennon in New York auf offener Straße erschossen.

  • Auch Jean-Paul Sartre, Josip Broz Tito, Henry Miller und Ernst Busch starben in diesem Jahr.

  • Die Popgruppe Pink Floyd stand mit "Another Brick In The Wall" mehrere Wochen an der Spitze der Hitparade. Noch länger hielt sich allerdings Mike Krüger mit dem Lied "Der Nippel"

  • In den USA wurde Ronald Reagan zum neuen amerikanischen Präsidenten gewählt und löste damit den Demokraten Jimmy Carter ab.

So, das war unser Rückblick in die Ereignisse der Jahre, in denen unsere JubilarInnen in die SPD eintraten.

Wie immer wird auch der heutige Text zu den Ehrungen auf unserer Homepage zu finden sein. Dort sind dann auch die Passagen nachzulesen, die ich jetzt ausgelassen habe, weil die zu Ehrenden mit dem Eintrittsjahr 1945 und 1955 nicht anwesend sind.

Ich danke fürs Zuhören.

 
Ahrensburg, 20.08.05

  

Fotos vom Sommerfest

 

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