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"Die deutsche Sozialdemokratie trauert um
Johannes Rau. Die dankbare Erinnerung an einen der herausragendsten,
anerkanntesten und beliebsteten Politiker unseres Landes wird
fortleben." Mit diesen Worten würdigte der
SPD-Parteivorsitzende Matthias Platzeck den am Freitag verstorbenen
Johannes Rau.
Raus unvergleichliches Lebenswerk sei getragen gewesen "von
seiner großen Mitmenschlichkeit, seinem von Versöhnungswillen
getragenen Geist und seinem außerordentlichen politischen
Gestaltungswillen", beschreibt Platzeck den an langer schwerer
Krankheit verstorbenen Politiker. Johannes Rau sei geprägt gewesen
von seinem tiefen christlichen Glauben, aus dem er Durchhaltewillen
und Kraft für den politischen Alltag bezogen habe.
Der ehemalige Bundespräsident sei Politiker
geworden, weil er immer daran geglaubt habe, "dass unsere Welt
besser sein könnte, als sie ist, und dass es gerechter zugehen
sollte, als es zugeht", beschreibt Platzeck seinen
Parteifreund. "In all seinen Ämtern hat er gegen
Ungerechtigkeit gekämpft und sich für mehr Freiheit, Solidarität
und Gerechtigkeit eingesetzt."
Platzeck betonte, dass Johannes Rau der SPD in
vielen schwierigen Situationen Selbstvertrauen und Siegeswillen
vermittelt habe. "Er hat über Jahrzehnte hinweg die gemeinsame
Sache mit großer Hingabe und Überzeugungskraft vertreten. Dafür
danken wir ihm."
"Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt in dieser Stunde der
Trauer seiner Frau Christina und seinen drei Kindern. Johannes Rau
hat uns viel gegeben, das bleiben wird", fügte Matthias
Platzeck hinzu.
Porträt von Johannes Rau
Johannes Rau wurde am 16. Januar 1931 in
Wuppertal-Barmen als drittes von fünf Kindern in eine stark vom
evangelischen Glauben geprägte Familie geboren. Schon während der
Schulzeit engagierte sich der ehemalige Bundespräsident in der
Bekennenden Kirche.
1949 begann er eine Ausbildung zum Verlagsbuchhändler und arbeitete
als Journalist. Bei einem christlichen Verlag wurde er
Geschäftsführer und schließlich Direktor.
Wegen seines Engagements für die deutsche Einheit wurde Rau 1952
Mitglied der Gesamtdeutschen Volkspartei (GVP), die 1957 aufgelöst
wurde. Im selben Jahr trat er zusammen mit seinem politischen
Mentor, dem späteren Bundespräsidenten und Großvater seiner
Ehefrau Christina, Gustav Heinemann, in die SPD ein. Schon ein Jahr
später wurde er zum Vorsitzenden der Jungsozialisten in Wuppertal
gewählt.
1959 wurde er in den Vorstand des SPD-Unterbezirkes
Wuppertal berufen und war ab 1962 dann sechs Jahre lang
stellvertretender Vorsitzender dieses Unterbezirkes. In seiner
Heimatstadt Wuppertal bekleidete Rau die Funktionen eines
Stadtverordneten (1964-1978), des Vorsitzenden der SPD-Fraktion
(1964-1967) und des Oberbürgermeisters (1969-1970).
In den Landtag von Nordrhein-Westfalen zog Johannes Rau erstmals im
Jahr 1958. Neun Jahre später wurde er Vorsitzender der SPD-Fraktion
im Landtag und bekleidete ab 1970 das Amt des Ministers für
Wissenschaft und Forschung.
Im Jahr 1977 wurde Rau SPD-Landesvorsitzender von
Nordrhein-Westfalen und nur ein Jahr später, am 20. September 1978
zum Ministerpräsidenten gewählt. Nach zwanzig Jahren an der Spitze
von Nordrhein-Westfalen entschloss sich Rau 1998 schließlich,
sowohl als "Landesvater" als auch als Vorsitzender der SPD
Nordrhein-Westfalen zurückzutreten.
Seit 1968 gehörte er dem Bundesvorstand der
Sozialdemokraten an. 1982 wurde Rau Nachfolger von Helmut Schmidt
als stellvertretender Vorsitzender der SPD. Auf dem SPD-Parteitag in
Nürnberg im Jahr 1986 wurde Johannes Rau zum Kanzlerkandidaten der
SPD für die Bundestagswahl 1987 gewählt. Nach dem Rücktritt von
Björn Engholm übernahm Rau bis zur Wahl von Rudolf Scharping für
wenige Wochen auch das Amt des Parteivorsitzenden.
Nach einer erfolglosen Kandidatur für das Amt des
Bundespräsidenten im Jahr 1994 wurde Johannes Rau am 23. Mai 1999
von der Bundesversammlung in Berlin zum achten Bundespräsidenten
der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Nach fünf Jahren als
deutsches Staatsoberhaupt endete die Amtszeit von Johannes Rau im
Juni 2004. Für den damals 73-Jährigen war das gleichzeitig der
Rückzug aus der aktiven Politik.
Johannes Rau hinterlässt seine Frau Christina, zwei Töchter und
einen Sohn.
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