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Elternbefragung zur Kindertagesbetreuung – Eine Bestandsaufnahme

Benjamin Freitag

Erstmal die gute Nachricht. Die umfangreichen Investitionen in den Ausbau der Kinderbetreuung in Stormarn haben zu einer statistischen Verbesserung geführt. Das Platzangebot für Kindergartenkinder (3-6 Jahre) liegt laut des Kindertagesstättenbedarfsplans bei 102% und das Angebot für Krippenkinder (0-3Jahre) liegt bei gut 40%. So weit, so gut. Und jetzt die schlechten Nachrichten. Leider hilft es den Eltern in Reinbek und Ahrensburg nicht, wenn noch Plätze in einem Dorf rund um Bad Oldesloe herum frei sind. Den Zeitungen war zu entnehmen, dass allein in Reinbek im letzten Kindergartenjahr bis zu 80 Plätze fehlten, und in vielen Kommunen sieht die Situation ähnlich aus. Zudem mangelt es vielerorts an Erziehern. Das eine ist das statistische Mittel sowie der theoretische Anspruch, Familie und Beruf zu vereinbaren und das andere ist die Realität. Einige Eltern bangen, ob sie überhaupt einen Platz bekommen. Und wenn sie dann einen ergattert haben, dann ist der alles andere als günstig. Der Kreis Stormarn nimmt bei den Gebühren im landesweiten Vergleich eine Spitzenposition ein. Immer wieder höre ich Eltern, die erzählen, dass sie zwar froh sind, wieder in den Beruf einzusteigen, aber sie davon finanziell nichts merken, da ein Großteil für die Kitagebühren ausgegeben wird. Ebenfalls lässt die nachschulische Betreuung hinsichtlich Quantität und Qualität zu wünschen übrig. Sorry, das habe ich mir als Sozialdemokrat anders vorgestellt. Vor allem, da die Chancengleichheit nicht erst an der kostenlosen Uni, sondern im Kindergarten beginnt. Auch wenn uns die Redaktion gebeten hat, nur kommunalpolitische Themen anzusprechen, sei an dieser Stelle erwähnt, dass der Bund und das Land die Kommunen in die finanzielle Lage versetzen müssen, ein ausreichendes und bezahlbares Platzangebot vorzuhalten. Die Kommunen und Eltern sind an Ihrer Belastungsgrenze angekommen! (Immerhin wird im neuen Koalitionsvertrag der GroKo von der Beitragsfreiheit gesprochen vgl. Zeile 314. Mal sehen was daraus wird). Aber zurück zum Kreis, was macht der eigentlich? Der Kreis entlastet die Eltern durch Zahlung einer Sozialstaffel. Der Haushaltsansatz für 2018 beläuft sich auf 12,6 Mio. €, weiter haben wir in den letzten Jahren Investitionsmittel für den Ausbau bereitgestellt. Eine Hauptaufgabe ist die Planung des Bedarfes. Wie wird der Bedarf ermittelt? Vielfach indem Anmelde- und Wartelisten ausgewertet werden.  Selten indem die Eltern direkt befragt werden. Aber damit werden nicht der zukünftige und vor allem nicht der reale Bedarf erfasst. Daher bin ich froh, dass zeitnah eine Elternbefragung im Kreis durchgeführt wird, um den realen Bedarf zu erfassen. Selbstverständlich ist mit einer Befragung noch kein neuer Platz geschaffen. Aber die Kommunen werden erstens mit den gewonnenen Daten in die Lage versetzt, besser zu planen. Zweitens kann dann niemand mehr sagen, das war uns nicht bekannt, dass in unserer Kommune Plätze fehlen. Und drittens kann Stormarn nochmal Druck beim Land und beim Bund machen, damit sich diese wie versprochen stärker an der Finanzierung beteiligen. Die Betreuungssituation ist zwar insgesamt besser geworden, aber noch weit entfernt von gut. Als Abgeordneter der SPD muss ich dafür Sorge tragen, dass aus gut gemeint, auch gut gemacht wird.