Festrede-Auszug von Dr. h.c. Edelgard Bulmahn zum Olof-Palme-Friedenspreis


Foto: Barbara Moszczynski

Auszug aus der Festrede von Frau Dr. h.c. Edelgard Bulmahn, Bundesministerin a.D., Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages a.D., zum Olof-Palme-Friedenspreis am 28. Februar 2018 im Schloss Reinbek

 

Sehr geehrte Frau Danhier,
sehr geehrte Frau Kassovic,
sehr geehrter Herr Dr. Görtz,
meine sehr geehrten Herren und Damen!

Herzlichen Dank für Ihre Einladung. Es ist mir eine besondere Freude und Ehre anlässlich der Preisverleihung des Olof-Palme-Friedenspreises vor Ihnen allen sprechen zu können.
Es ist mir eine besondere Ehre, weil Politiker wie Olof Palme und Willy Brandt für mich große politische Vorbilder waren und mich ganz sicherlich zum politischen Engagement
motiviert haben, ja sogar, wie so viele meiner Generation, politisch prägten.
Der Satz von Willy Brandt „Mehr Demokratie wagen.“ aus seiner ersten Regierungserklärung war knapp formuliert und ist trotzdem ein ganzes politisches Programm.
Eine Demokratie braucht eine stabile Gesellschaft um gedeihen zu können – Erfahrungen der Weimarer Republik – und eine Gesellschaft braucht sozialen Zusammenhalt und sozialen Ausgleich um stabil zu bleiben und zu werden.
Demokratie bedeutet eben mehr als Wahlrecht, Meinungsfreiheit, Demonstrationsrecht oder „vor dem Gesetz ist jeder gleich“. Demokratie heißt auch: gleiche Chancen für jeden – besonders gleiche Startchancen. Demokratie heißt: So zu leben und zu wirtschaften, dass auch künftige Generationen ihre Lebensvorstellungen und Wünsche verwirklichen können, also die Chancen künftiger Generationen zu schützen.
Wir alle spüren in dieser Zeit, dass die Demokratie und unsere offene Gesellschaft unter
Druck stehen. Viele – bei unseren Nachbarn und Partnern im Ausland, aber auch in Deutschland – kehren der Demokratie den Rücken.
Es geht dieser Tage in der politischen Auseinandersetzung nicht mehr nur um schwarz, rot, gelb oder grün. Es geht um die Demokratie selbst. Und wir wissen doch aus eigener schmerzhafter Erfahrung, dass wir nicht wachsam genug sein können, wenn es um die
Verteidigung unserer Demokratie geht.