Laudatio von Dr. Henning Görtz zur Preisverleihung 2018

Ich freue mich, dass mir in diesem Jahr die ehrenhafte Aufgabe übertragen wurde, die Laudatio auf die Preisträger und Nominierten des diesjährigen Olof-Palme-Friedenspreises halten zu dürfen.

Im Sport gibt es den schönen Satz „Jeder Finisher ist ein Sieger“. In diesem Fall bedeutet dies, dass bereits die Nominierung für den Preis eine Auszeichnung ist, denn jede und jeder der insgesamt 9 nominierten Organisationen oder Einzelpersonen hat auf sich aufmerksam gemacht. Sonst wären Sie heute nicht hier!

Diese Aufmerksamkeit wurde geweckt durch vorbildliche Aktivitäten, die durch den OlofPalme-Friedenspreis gefördert und gewürdigt werden sollen. Zum Beispiel für mehr soziale Gerechtigkeit, für die Stärkung der Demokratie, für die Verständigung der Völker und Kulturen oder zur Verbesserung der Lage in der dritten Welt.

Ich möchte daher bereits jetzt allen Nominierten ganz herzlich dafür danken, dass Sie sich mit Ihrem großartigen ehrenamtlichen Einsatz für diese Ziele einsetzen.

Ich danke aber auch der SPD Stormarn. Sie loben nun schon seit 31 Jahren, also seit 1987, den Preis aus und überreichen ihn in einem feierlichen Rahmen. Diese jahrzehntelange Kontinuität ist mit Sicherheit nicht selbstverständlich und gehört ebenfalls einmal kräftig gewürdigt!

1987 ist schon ziemlich lange her. Ich begann damals gerade meine Mitarbeit in der CDU und war schon seit einigen Jahren in der Jungen Union aktiv. Vor nunmehr 31 Jahren saß noch jeder in seinem politischen Schützengraben und da sieht man einige Dinge sicherlich etwas undifferenzierter als heute. Vielleicht habe ich damals gedacht: „Was haben sich die Sozis denn nun schon wieder ausgedacht?“

Mit Sicherheit hätte ich jedenfalls jedem, der mir damals gesagt hätte, dass ich im Jahr 2018 die Laudatio bei der Preisverleihung halten würde, einen Vogel gezeigt und geantwortet: „Ja, ja – und Horst Seehofer wird 2018 Bundesinnenminister.“

Doch zurück zum Preis: Ich verrate schon einmal vorweg, dass in diesem Jahr 2.250 Euro als Preisgeld ausgezahlt werden und dass es mehr als einen Preisträger geben wird.

Zu einem erheblichen Teil, nämlich mit 1.000 Euro, wird diese Summe übrigens gefördert von der Walter-Jacobsen-Gesellschaft. Und das Jahr für Jahr, seit Einführung des OlofPalme-Friedenspreises. Ich finde, dies ist einen großen Dank wert, genauso wie die finanzielle Unterstützung des Preises durch die Bundes- und Landtagsabgeordneten der SPD, die mit Sicherheit ebenfalls nicht selbstverständlich ist.

Was ist eigentlich das Besondere am Olof-Palme-Preis? Ich glaube, dass ein wichtiger Bestandteil des Erfolgsrezeptes die Nachhaltigkeit ist, die aus dem Preis selbst eine Art zeitgeschichtliche Dokumentation macht.

Unser Kuratoriumsmitglied Martin Habersaat hat in einem Artikel geschrieben: „Aus den Nominierungen und Preisträgern lassen sich internationale Krisen und nationale Missstände ablesen. Im Laufe der Jahre wurde deutlich, dass sich unterschiedliches Weltgeschenen immer wieder in ehrenamtlichen Initiativen spiegelt.“

Insofern sollten wir alle hoffen, dass es den Olof-Palme-Friedenspreis noch sehr lange geben mag. In Würdigung von Olof Palme, aber auch in Würdigung der Menschen, die mit ihrer Arbeit so wertvolle Dinge leisten um anderen zu helfen.

Kommen wir nun zu denjenigen, die heute im Mittelpunkt stehen. Ich hatte schon drei Geheimnisse verraten: Es wurden 9 Organisationen und Einzelpersonen nominiert. Es gibt über 2.000 Euro Preisgeld. Und: wir haben mehr als einen Preisträger.

Ich stelle die Nominierten nun einzeln vor und beginne mit

1. Den Fußballern aus den Ahrensburger Vereinen Roter Stern Kickers, ATSV, FC Ahrensburg und dem SSC Hagen. (Tobias von Pein)

Die Fußballer haben eine bemerkenswerte Aktion durchgeführt. Sie verbindet nicht nur die Liebe zum Fußball, sondern auch eine gemeinsame Haltung zu den Themen Integration und Willkommenskultur. Die Sportler haben mit einer gemeinsamen Erklärung und Pressemitteilung ein Zeichen gegen Diskriminierung, Rassismus und Menschenfeindlichkeit gesetzt. Sie schreiben: „Wir als Sportvereine, als aktiver Teil und motivierte Mitgestalter unserer Gesellschaft, stehen für ein solidarisches Miteinander, in dem es egal ist, wo jemand herkommt, an welchen Gott er/sie glaubt oder auch nicht, wen er/sie liebt und welche Hautfarbe jemand hat. Die einzigen Farben, auf die es ankommt, sind die Farben der Trikots.“

Sie setzten im Herbst 2017 ein Zeichen gegen Rassismuss und Fremdenfeindlichkeit. Das Kuratorium hat großen Respekt vor dieser Aktion und sagt ganz herzlichen Dank für dieses klare Statement.

2. Das Europakomitee Trittau (Tobias von Pein)

Das Komitee existiert in seiner jetzigen Struktur seit Anfang der 70er Jahre. Es ist überwiegend ehrenamtlich organisiert und pflegt für die Gemeinden des Amtes Trittau insgesamt 4 Gemeinde-Partnerschaften, nämlich zu Orten in Finnland, Frankreich, Polen und England.

Regelmäßig finden sowohl Jugendkontakte als auch Austausche im privaten Rahmen sowie im Bereich der Vereine und Verbände statt. Über die Jahre sind viele intensive Freundschaften entstanden.

Das Europakomitee leistet damit einen aktiven Beitrag zur europäischen Verständigung und trägt aktiv und nachhaltig zum Frieden in Europa bei. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass im Rahmen von Städte- und Gemeindepartnerschaften Kontakte stattfinden, die sich auf den höheren diplomatischen Kanälen nicht organisieren lassen.

Man verbringt gemeinsame Zeit, feiert zusammen und lernt voneinander. Menschen, die sich kennen und mögen, haben Verständnis füreinander und führen keine Kriege gegeneinander. Das ist gelebte europäische Integration!

3. Sven Höper, Peter Maaßen, Axel Böge und die Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge in Trittau (Tobias von Pein)

Sven Höper engagiert sich seit vielen Jahren in Trittau für verschiedene Institutionen. 2014 ergriffen er und seine Mitstreiter Peter Maaßen und Axel Böge die Initiative und haben die Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge ins Leben gerufen.

Die Initiative wurde zur Erfolgsgeschichte: Neben den 3 Gründern existieren mittlerweile zahlreiche weitere Helferinnen und Helfer. Gespendete Fahrräder werden restauriert, repariert und den Abnehmern zur Verfügung gestellt – und zwar nicht nur im Rahmen der Flüchtlingsarbeit, sondern auch für alle anderen Menschen, die bedürftig sind.

Die Fahrradwerkstatt dient damit vielen Zwecken in vorbildlicher Weise: Sie stellt aktive Selbsthilfe dar, dient der Integration und ist soziale Arbeit in ihrer besten Form.

4. Hella Weiss aus Ammersbek (Klaus Heitmann)

Hella Weiss betreibt Völkerverständigung auf eine ganz andere Art. Seit nunmehr 17 Jahren nimmt Familie Weiss für jeweils 6 Monate im Jahr Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Mittel- und Osteuropa in ihr Haus auf, um ihnen bei uns ein Studium zu ermöglichen.

Die Studenten nehmen am Stipendien-Programm COPERNICUS teil. Um nicht nur das Studium zu ermöglichen, sondern auch persönliche Kontakte und den Austausch der Kulturen aufzubauen, ist die Unterbringung in Gastfamilien ein Teil des Konzeptes.

Die Stipendiaten besuchen 3 Monate lang eine Universität und absolvieren anschließend für 2-3 Monate ein Praktikum in einem Unternehmen, einer Behörde oder einer Organisation.

Die Studenten aus der Slowakei, Russland, Weißrussland, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Armenien, Georgien und Usbekistan werden im Haushalt von Familie Weiss wie eigene Kinder betreut. Das ist für uns echte Völkerverständigung!

5. Der Verein „Arise e.V. – eine Schule für Ghana“ aus Ahrensburg (Sigrid Kuhlwein)

Bildung ist der Schlüssel für die Länder in Afrika, um aus der Armutsspirale herauszukommen. Und Ghana gehört zu den ärmsten Ländern Afrikas.

In Ghana kostet der Schulbesuch Geld. Dies ist für viele Eltern ein unüberwindliches Hindernis. Sie sind gezwungen, ihre Kinder schon sehr früh zum Geldverdienen zu schicken. Für Bildung und damit für ein selbstbestimmtes Leben ist da oftmals wenig Platz.

Im Verein Arise haben sich vor allem junge Menschen aus Ahrensburg und Umgebung zusammengefunden, um beim Aufbau einer Grundschule in der Region Accra nicht nur finanziell, sondern auch mit eigenen Aktivitäten zu helfen.

Initiiert von Annelie Stötefalke, die 2014 in Ghana an einer Schule unterrichtet hat und das Land kennenlernen konnte, und unterstützt von mittlerweile 42 Mitgliedern arbeitet Arise daran, die Schule auf- und auszubauen. Es werden Spenden gesammelt, Wohltätigkeitsaktionen durchgeführt und Patenschaften gesucht, die den Kindern den Schulbesuch ermöglichen sollen.

Das Geld dient dazu, die laufenden Kosten der Schule zu decken, Möbel, Lehr- und Lernmaterial zu beschaffen oder auch nur für einfache Dinge wie eine Kochstelle, einen Wassertank oder eine Toilette zu sorgen.

Und der Verein hat noch viele Ziele: So soll ein Grundstück für ein eigenes Schulgebäude gekauft werden, um die Betreuung der Kinder dauerhaft zu sichern. Weitere Anschaffungen sind zu tätigen, der Schulalltag soll strukturierter gestaltet werden.

Annelie Stötefalke besucht das Projekt regelmäßig vor Ort. Damit können die Spenderinnen und Spender sicher sein, dass das Geld in ihrem Sinne verwendet wird.

Das Kuratorium findet: Ein bemerkenswertes Projekt!

6. Der runde Tisch Ahrensburg für Zivilcourage und Menschenrechte, gegen Diskriminierung und Rechtsextremismus (M. Sarach)

Der Runde Tisch wurde 2012 als überparteiliche Initiative gegründet. An ihm sind Bürgerinnen und Bürger aus allen demokratischen politischen Gruppierungen und Parteien, Kirchen und vielen Vereinen und Verbänden, aber auch viele Einzelpersonen beteiligt.

Der Runde Tisch ist damit ein lebendiges Beispiel für bürgerschaftliches Engagement zur Pflege demokratischer Werte.

Die Aktivitäten sind vielfältig: Jährlich findet der Gang des Erinnerns statt. Vom Runden Tisch ging auch die Initiative aus, Stolpersteine für in der Nazizeit verfolgte Ahrensburger Bürger zu verlegen.

Eine Tafel am Ort des Gebetshauses der alten jüdischen Gemeinde erinnert an das frühere jüdische Leben in Ahrensburg. Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen thematisieren die Gefährdungen, die durch den Rechtsextremismus auf unsere Gesellschaft zukommen.

Der Runde Tisch pflegt damit eine dringend notwendige Kultur der Mahnung und der Erinnerung, die umso höher zu schätzen ist, je stärker sie von den Bürgerinnen und Bürgern selbst initiiert wird. Herzlichen Dank dafür!

7. Kameradinnen und Kameraden der Glinder Feuerwehr (Tom Reher)

Die Feuerwehr Glinde gehört hinsichtlich ihrer Einsatzzahlen zu den am stärksten geforderten Wehren im Kreis. Dieser Einsatz allein ist eigentlich schon Grund genug, den Kameradinnen und Kameraden ganz herzlich für ihr Engagement zu danken.

Die Aktivitäten gehen aber noch weit über diese Aufgaben hinaus: So pflegt die Wehr zu insgesamt 5 Feuerwehren in ganz Europa einen partnerschaftlichen Austausch, nämlich nach Finnland, Ungarn, Großbritannien, Frankreich und Portugal.

Auch die Glinder Jugendwehr nimmt regelmäßig an internationalen Begegnungen teil, dies vermittelt schon dem Nachwuchs Werte wie Toleranz, Demokratie und Völkerverständigung.

Bemerkenswert ist, dass sich die Glinder Feuerwehr auch in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit engagiert.

Flüchtlinge nehmen an den Übungsdiensten der Einsatzabteilung teil. Die Wehr beteiligt sich an Integrationsprojekten wie „Mehr WIR in der Wehr“ oder dem Programm „Zusammenhalt durch Teilhabe“.

Und eine besondere Leuchtturmfunktion hat sicherlich die Kooperation der Wehr mit der Islamischen Gemeinde Glinde.

Hochachtung für Ihren Einsatz, der weit über den Brandschutz hinausgeht!

8. Flüchtlingshilfe Oststeinbek (Nina Scheer, MdB)

Seit 2015 engagiert sich der Verein ausdauernd, nachhaltig und auf vielfältige Weise für die Integration und das Miteinander der Menschen in Oststeinbek.

Über die Jahre hat sich ein herzliches Miteinander zwischen Geflüchteten und Mitgliedern des Vereins entwickelt. Man feiert zusammen, tauscht sich aus und festigt ein friedliches gesellschaftliches Miteinander.

Mit Aktivitäten wie einer Kleiderkammer und einer Fahrradwerkstatt, Lesepaten, Deutschunterricht oder auch einem wöchentlich stattfindenden internationalen Männerabend zeigt der Verein, welche unglaublich wirksame, erfüllende und integrierende Wirkung das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder entwickelt. Ein großer Dank an Sie alle und an alle weiteren Ehrenamtler, die sich in ganz Stormarn für die Flüchtlingsarbeit engagieren.

9. Die Schwestern von der Heiligen Elisabeth in Reinbek (Martin Habersaat)

In einer der ärmsten Gegenden Ostafrikas liegt das Dorf Maganzo in Tansania. Die Schwestern von der Heiligen Elisabeth haben es sich zur Aufgabe gemacht, dort den Bau eines Krankenhauses zu unterstützen, um die medizinische Grundversorgung zu ermöglichen.

Funktionierende Hilfe in Ländern der 3. Welt muss vor allem zwei Dinge aufweisen: Aktive und zuverlässige Akteure vor Ort, dies sind u.a. die dortigen Schwestern, die in Maganzo in jeder Hinsicht eine großartige Arbeit leisten. Und Akteure, die sich hier bei uns, in den reichen Ländern dieser Erde, um Unterstützung und Spenden kümmern um Brunnen und Solaranlagen zu bauen oder um Ausstattung und medizinisches Gerät zu beschaffen.

Dies tun die Schwestern von der Heiligen Elisabeth, in dem Sie über das Projekt informieren, Gelder sammeln oder sich beim traditionellen Weihnachtsbasar im St. Adolf-Stift mit selbstgebackenen Keksen an einen Verkaufsstand stellen – und das alles natürlich neben ihrem ohnehin schon vorbildlichen Engagement, das Sie für hilfsbedürftige und kranke Menschen hier bei uns vor Ort seit vielen Jahren erbringen. Vielen Dank dafür.

Sie sehen, es stimmt: Jeder Finisher ist ein Sieger! Noch einmal vielen Dank an alle Nominierten für ihren großartigen Einsatz.

Kommen wir nun zu den diesjährigen Gewinnern. Das Kuratorium hat entschieden, dass es für den Olof-Palme-Friedenspreis 2018 zwei Preisträger geben soll.

Mit dem 2. Preis mit einer Preissumme von 750 Euro wird ausgezeichnet: Das Europakomitee Trittau.

Und den 1. Preis mit einer Preissumme von 1.500 Euro erhält die Organisation ARISE.

Herzlichen Glückwunsch! 

Die Preisträger und  alle Nominierten des „OPF 2018“ mit der
Festrednerin Dr. h.c. Edelgard Bulmahn (mit Blumenstrauß)
mittig: die Kuratoriumsvorsitzende Birgit Kassovic (l., mit Schal)
und  die Kreisvorsitzende Susanne Danhier (r.)