„Wenn ein Kind auf der Welt Kinderarbeit leisten muss, ist das ein Angriff auf alle Kinder“ 

Tobias von Pein
Tobias von Pein Foto (privat), die Rechte liegen bei Herrn von Pein.
Tobias von Pein
Tobias von Pein
Foto (privat), die Rechte liegen bei Herrn von Pein.

152 Millionen – so viele Kinder müssen laut Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) Kinderarbeit leisten. Das heißt, die Kinder müssen unter Bedingungen arbeiten, bei denen ihre elementaren Rechte missachtet und Chancen verbaut werden. 73 Millionen der Kinder arbeiten unter ausbeuterischen Bedingungen und rund vier Millionen Kinder leiden nach Schätzungen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) unter extremen Formen der Ausbeutung und Zwangsarbeit.  Der 12. Juni ist „Welttag gegen Kinderarbeit“ – an diesem Tag geht es darum, auf das weltweite Problem Kinderarbeit aufmerksam zu machen und Maßnahmen gegen diese zu diskutieren.

Auch in Deutschland gibt es das Phänomen der Kinderarbeit. Unter anderem weist das Deutsche Kinderhilfswerk in einem Positionspapier darauf hin. Viele Kinder und Jugendliche machen erste Arbeitserfahrungen, wie Zeitungen austragen. In der Regel geschieht dies im Einklang mit den geltenden Regelungen. Es gebe allerdings auch Arbeiten, die nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz verboten sind. „Die Arbeit von jungen Menschen muss sich strikt an den gesetzlichen Vorgaben und dem Prinzip der Freiwilligkeit orientieren“, sagt der Landtagsabgeordnete und kinderpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Tobias von Pein. Die Aufgabe der Landespolitik sei es, wirkungsvolle Kontrollen zu gewährleisten und die Vorschriften des Jugendschutzgesetzes bekannter zu machen. In vielen anderen Ländern der Welt sei das Problem deutlich gravierender.

„Kinderarbeit ist vor allem ein Problem in den Staaten des globalen Südens, wir hier im Norden dürfen da aber nicht wegschauen“, meint von Pein. „Kinderarbeit im globalen Kontext hat ganz konkret etwas mit unserem alltäglichen Leben zu tun. Diese zu verbieten, reicht nicht aus. Es geht auch darum, die Lebensbedingungen der Kinder weltweit zu verbessern. Daran haben wir alle eine Mitverantwortung. Es geht unter anderem um faire Arbeitsbedingungen, auch für die Erwachsenen – da spielt beispielsweise unser Einkaufsverhalten eine wichtige Rolle.“ Dennoch darf die Verantwortung nicht allein auf den Konsumenten abgeladen werden, findet von Pein. Er nimmt deshalb seine Kollegen in Berlin in die Pflicht: „Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie da weiterhin Druck macht. Und selbstverständlich haben die Unternehmensleitungen eine große Verantwortung.“ Für die internationale Umsetzung von entsprechenden Forderungen ist unter anderem das CSU-geführte Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zuständig.

„Beim Thema Kinderarbeit gibt es neben viel Schatten auch Licht. Zum Glück ist die Zahl der Kinderarbeiter in den letzten Jahren deutlich gesunken“, so von Pein. Laut UNICEF gab es im Jahr 2000 noch 246 Millionen Kinderarbeiter. Das Ziel der meisten UN-Mitgliedsstaaten, Kinderarbeit bis 2025 abgeschafft zu haben, sehen UNICEF und Politiker von Pein jedoch skeptisch. „In den nächsten fünf Jahren ist da noch einiges zu leisten. Aber nachlassen gibt’s jetzt nicht“, betont von Pein. Er findet, dass der „Welttag gegen Kinderarbeit“ eine gute Gelegenheit ist, das Thema breit und auf allen Ebenen anzusprechen und fasst zusammen: „Wenn ein Kind auf der Welt Kinderarbeit leisten muss, ist das ein Angriff auf alle Kinder und damit ist es auch ein Thema für mich als Landespolitiker.“  Stand der Zahlen von 2019.